Wenn drei inhabergeführte IT-Unternehmen unter einem Dach zusammenwachsen, ist das selten reibungsfrei. teamix, ahd und sepago hatten starke Identitäten, spezialisierte Kompetenzen und gewachsene Kundenbeziehungen. Dass mit diesen drei Firmen mit der Proact Deutschland ein Hybrid Cloud Service Provider entstanden ist, liegt nicht an einer Blaupause, sondern an einer Mischung aus strategischer Klarheit, kultureller Arbeit und der Bereitschaft, bekannte Muster zu verlassen. Heute ist Proact Deutschland ein fester Bestandteil der Proact IT Group und liefert seinen Kunden europaweite, souveräne und sichere Hybrid-Cloud-Infrastrukturen für geschäftskritische IT-Anforderungen.

Kathrin Kappen – Director People & Organisation und Marc Boland – Director Service Operation, blicken im Gespräch auf die Anfänge zurück, beschreiben den Weg durch Akquisitionen und Integration und erklären, warum Proact Deutschland heute mehr ist als die Summe seiner Teile.
Wie alles anfing: Open Source, Storage, Schrauben und eine Ahnung von dem, was kommt

Die teamix GmbH wurde 2001 in Nürnberg gegründet. Das Unternehmen entstand ursprünglich aus der Web- und Open-Source-Szene. Die Datenmengen wuchsen, aber die Kompetenz, diese Daten strukturiert zu speichern und verfügbar zu halten, war in vielen Unternehmen nicht vorhanden. teamix adressierte das Problem mit skalierbaren Storage-Lösungen auf Basis von NetApp und brachte Struktur und Verlässlichkeit in Infrastrukturen, die bis dahin eher ad hoc gewachsen waren. In den 00er Jahren baute teamix seine Kompetenzen dann im Bereich IT-Infrastruktur (Storage, Netzwerk, Compute, Virtualisierung und Datensicherung) stark aus und entwickelte sich zu einem breit aufgestellten Infrastrukturspezialisten. teamix schuf damit die Grundlage für spätere plattform- und servicebasierte Bereitstellungsmodelle.
Das Team der Anfangsjahre lässt sich in drei Begriffen zusammenfassen: technikverliebt, kundenorientiert und wegweisend innovativ. Es war eine Zeit, in der Hardware noch das bestimmende Thema war, noch von Outsourcing, Housing und Hosting die Rede war, „Cloud Services“ keine Rolle spielten und Skalierung bedeutete, größere Festplatten in die Racks zu schieben.
Was teamix von traditionellen IT-Infrastruktur-Anbietern unterschied, war weniger das Produktportfolio als die Haltung: Anstatt einfach Boxen zu verkaufen und Wartungsverträge zu zeichnen, dachte das Team einen Schritt weiter. Die Frage war nicht, was der Kunde heute braucht, sondern eher, wo sein Bedarf in fünf bis zehn Jahren liegen würde. Aus dieser Haltung entstand ein Unternehmen, das sich früh von der reinen Systemhauslogik löste.
FlexVault: Der Wendepunkt vom Systemhaus zum Service Provider
Der entscheidende Impuls kam 2011 mit FlexVault, einem Cloud-Backup-Service auf eigener Plattform. Für ein Systemhaus war das eine ungewöhnliche Entscheidung. Anstatt ein Produkt eines Herstellers weiterzuverkaufen, entwickelte teamix einen eigenen Service, der über einen eigenen Channel vertrieben wurde.
FlexVault war eine zertifizierte, in Deutschland gehostete Backup- und Archivplattform, die für Wiederherstellungsszenarien im Kundenbetrieb konzipiert war. Damit erkannte teamix früh, dass Backup-Lösungen kein Nebenthema bleiben würden, sondern ein strategischer Bestandteil der digitalen Souveränität und der Cyber-Resilienz. Zu einer Zeit, als der Markt dafür noch wenig ausgeprägt war, positionierte sich teamix bereits als Anbieter einer eigenen Plattform.

Diese Entscheidung markierte den Wendepunkt: teamix war nicht mehr nur Systemhaus, sondern Service Provider. Die Richtung, die das Unternehmen damit einschlug, unterschied sich grundlegend von dem, was vergleichbare Wettbewerber zu dieser Zeit taten. Dieser frühe plattformorientierte Ansatz ist auch heute noch essenziell für die Proact IT Group und spiegelt sich zum Beispiel in den europaweiten Backup as a Service Lösungsangeboten wider.
Warum organisches Wachstum an Grenzen stieß
Um 2015 veränderte sich der Markt grundlegend. Cloud-Services wurden relevant, die Komplexität der IT-Landschaften stieg und Kunden erwarteten Managed Services, die über den klassischen Support hinausgingen. Für Systemhäuser mit 80 bis 130 Mitarbeitenden bedeutete das: Die bisherige Größe reichte nicht mehr aus, um in relevanten Ausschreibungen mitzuhalten.
Marc Boland beschreibt das Dilemma:
„In Ausschreibungssituationen konnte man mit einer kleinen Firma gegen größere Anbieter oft nicht bestehen. Gleichzeitig boten viele Systemhäuser unstrukturierte Managed Services an, die eher in Richtung Support gingen als in Richtung eines echten Betriebsservices.”
Die Erkenntnis war bei allen Unternehmen dieselbe: Organisches Wachstum allein führte nicht dahin, wo der Markt sich hinbewegte. Es brauchte entweder starke Partnerschaften oder den Anschluss an eine größere Einheit, die Skalierung und Struktur mitbrachte.
Drei Firmen, drei Kompetenzen, ein gemeinsames Dach
Die Proact IT Group wurde 1994 in Schweden gegründet und ist heute in mehreren europäischen Ländern aktiv. Seit 2014 baut das Unternehmen gezielt seine Präsenz im Rahmen der europäischen Strategie, lokale Stärken auf einer gemeinsamen technologischen und operativen Plattform zu bündeln, auch in Deutschland aus. Um ein nachhaltiges Wachstum zu sichern und den vielfältigen Kundenanforderungen gerecht zu werden, verfolgte Proact eine klare Akquisitionsstrategie: Schritt für Schritt wurden drei deutsche Unternehmen integriert, deren jeweilige Kernkompetenzen sich gezielt ergänzten ohne Überschneidungen zu erzeugen. Auf diese Weise entstand eine leistungsfähige und breit aufgestellte Organisation mit komplementärem Know-how:
- 2017 wurde teamix als Experte für IT-Infrastruktur (Storage, Netzwerk, Compute, Virtualisierung und Backup-Technologien) integriert. Das Unternehmen hatte mit FlexVault bereits bewiesen, dass es über den Tellerrand eines klassischen Systemhauses hinausdenken konnte.
- Die ahd wurde 2021 eingegliedert. Zu diesem Zeitpunkt war die ahd ein Managed Service Provider mit Fokus auf stabilem IT-Betrieb. Das Unternehmen verstand sich als verlängerte Werkbank für Kunden, die skalierbare, sichere und planbare Managed Services brauchten, ohne selbst eine große IT-Mannschaft aufzubauen.
- Im Jahr 2022 ergänzte sepago die Gruppe durch umfangreiches Consulting-Business, insbesondere in den Bereichen Cloud-Native-Lösungen und digitale Workplaces. sepago brachte tiefgreifende Expertise in modernen Arbeitsplatzkonzepten und Public-Cloud-Architekturen mit.

Alle drei Firmen waren inhabergeführt, lagen in ähnlichen Größenordnungen von 80 bis 130 Mitarbeitenden und kannten sich bereits vor den Übernahmen durch gemeinsame, sich gegenseitig ergänzende Projekte und Kooperationen. Das erleichterte den jeweiligen Start, machte die Integration aber nicht automatisch einfach.
Warum kulturelle Integration kein Softskill-Thema ist
Die größte Sorge vor den Übernahmen war weder Technik noch Portfolio. Es war die Frage, ob der kulturelle Fit funktionieren würde. Alle drei Identitäten waren stark ausgeprägt, die Unternehmen liefen gut und entsprechend gering war die natürliche Bereitschaft zur Veränderung, getreu dem Motto „Never change a running system.”
Die konkrete Befürchtung: Zwischen dem Verlassen der alten Identität und dem Ankommen in einer neuen könnte ein Vakuum entstehen, in dem Orientierung fehlt, Mitarbeitende sich nicht mehr zugehörig fühlen und die Eigenschaften verloren gehen, die das Unternehmen ursprünglich wertvoll gemacht hatten.
Proact begegnete diesem Risiko mit offener Kommunikation und der Etablierung gemeinsamer Werte und Prozesse. Wichtig war dabei der Grundsatz, dass es nicht darum ging, ein System über das andere zu stellen, sondern die beste Lösung für die neue Proact in Deutschland zu finden.
Die Integration verlief nicht bei allen drei Unternehmen gleich. sepago wurde bewusst zunächst eigenständig gelassen und erst später voll integriert. Denn: Wenn man den ursprünglichen Wert einer Unternehmung erhalten will, darf man den Integrationsprozess nicht erzwingen, sondern muss Raum für Eigengestaltung lassen. Eine Erkenntnis, zu der man in den vorangegangenen Übernahmeprozessen gelangt war.
Wo Integration konkret schwierig wurde
Die Herausforderungen lagen oft im Detail.
Ein Beispiel: Die drei Unternehmen verwendeten denselben Begriff „Consultant“ für unterschiedliche Rollen und Kompetenzstufen. Was bei sepago ein Cloud-Architekt war, konnte bei ahd ein Service-Manager sein. Allein diese Wording-Unterschiede erzeugten Missverständnisse, die erst sichtbar wurden, als Teams gemeinsam an Projekten arbeiteten.
Ein zweites Thema: Die Vorteile der Integration, z. B. die internationale Zusammenarbeit, Skalierungsmöglichkeiten oder Zugang zu neuen Kunden, brauchten Zeit, um spürbar zu werden. In der Übergangsphase dominierte sicher bei manchen Mitarbeitenden das Gefühl, dass sich viel verändert, aber sich wenig spürbar verbessert.
Schließlich dauerte die Tool-Integration länger als erwartet. Unterschiedliche Systeme für Ticketing, Monitoring, CRM und Projektmanagement zusammenzuführen, band Ressourcen und erzeugte Reibung, die im Tagesgeschäft spürbar wurde.
Was die Statistik über M&A sagt und was Proact daraus gelernt hat
Rund die Hälfte aller Mergers und Acquisitions scheitern. Proact nutzte jede Akquisition als Lernprozess.
Die zentrale Erkenntnis: Prozesse und Strukturen sind notwendig, aber ohne das richtige Mindset funktionieren sie nicht. Der Mensch ist die Variable, die über Erfolg oder Scheitern entscheidet.
Top 5 Erkenntnisse aus dem Integrationsprozess
- Den ursprünglichen Wert der Unternehmen bewahren, statt alles gleichzuschalten.
- Das Integrationstempo je nach Unternehmen und Reife unterschiedlich steuern.
- Begriffsdefinitionen und Rollenverständnisse früh und nicht erst im Projekt klären.
- Die Mehrwerte der Integration aktiv spürbar und nicht nur sichtbar machen.
- Das kulturelle Fit nicht als Softskill behandeln, sondern als harten Erfolgsfaktor.

Wie schwedische Führungskultur auf fränkische, kölsche und westfälische Identitäten trifft
Proact ist ein börsennotiertes schwedisches Unternehmen. Für die drei deutschen Firmen bedeutete die Integration auch eine Veränderung in der Unternehmenskultur:
- mehr Zahlenorientierung,
- klarere Reporting-Strukturen,
- stärker standardisierte Prozesse.
Was nicht verloren ging, war die persönliche Nähe. Die schwedische Managementkultur wird als persönlich, nahbar und mit flachen Hierarchien beschrieben. Der CEO der Gruppe ist direkt zugänglich und die Zusammenarbeit findet auf Augenhöhe statt. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einem börsennotierten Unternehmen.
Gleichzeitig blieben die lokalen Identitäten erhalten. Proact Deutschland ist nicht eine homogene Einheit, sondern vereint fränkische, kölsche und westfälische Prägungen, die einander ergänzen und im Zusammenspiel mit der internationalen Kultur etwas Eigenes bilden.
Was europäische Skalierung in der Praxis bedeutet
Proact ist in zwölf europäischen Ländern aktiv und unterscheidet sich von anderen internationalen Anbietern durch eine gemeinsame europäische Plattform.

Während viele internationale IT-Dienstleister in jedem Land eigenständig operieren und lokale Systeme nutzen, setzt Proact auf weitgehende Standardisierung der grundlegenden Prozesse und Tools.
Das ermöglicht einen schlanken Cross Border Service: Ein Kunde in Deutschland kann von Spezialisten in Schweden, den Niederlanden oder Großbritannien unterstützt werden, ohne dass Prozessbrüche oder Toolwechsel nötig wären. Für Unternehmen mit europäischen oder internationalen Strukturen ist das ein konkreter Vorteil, weil sie nicht für jedes Land einen eigenen Dienstleister brauchen.
Gleichzeitig bleiben lokale Stärken erhalten. Das Beratungsgeschäft lebt von Nähe, von Sprachkenntnis und vom Verständnis lokaler Anforderungen. Die Kombination aus lokaler Tiefe und europäischer Skalierung ist das, was Proact von rein nationalen Anbietern und von globalen Konzernen gleichermaßen unterscheidet: „Big enough to act, small enough to care.“
Für geschäftskritische und regulatorisch geprägte Umgebungen ist diese Kombination aus europaweiter Verfügbarkeit sowie Redundanz, lokaler Datenhoheit und einheitlichen Betriebsmodellen ein entscheidender Vorteil.
Wohin die Reise geht: KI, Souveräne Cloud und Container
Die Zukunftsagenda von Proact ist von drei technologischen Schwerpunkten geprägt, die sich aus Kundenanforderungen und Marktentwicklungen ergeben.
Künstliche Intelligenz steht im Fokus, sowohl für die interne Nutzung als auch für das Anbieten von Services, die Kunden bei der Integration von KI in ihre IT-Landschaften unterstützen. Das Thema bewegt sich von der Experimentierphase in die Operationalisierung und Proact will Kunden auf diesem Weg begleiten.
Sovereign Cloud adressiert ein Thema, das im europäischen Markt zunehmend an Bedeutung gewinnt: Digitale Souveränität und die Frage, wo Daten liegen, wer darauf Zugriff hat und welche regulatorischen Anforderungen erfüllt werden müssen. Proact positioniert sich mit der Proact Hybrid Cloud (PHC) als europäischer Anbieter, der diese Anforderungen versteht und in Serviceangebote übersetzen kann.

Container-Plattformen, konkret die Kubernetes-basierte Proact Managed Container Platform (PMCP), eröffnen Kunden den Einstieg in Container-Technologien. Das ist relevant, weil viele Unternehmen den Nutzen von Containerisierung erkennen, aber nicht die internen Ressourcen haben, um Plattformen eigenständig aufzubauen und zu betreiben.
Über diese drei Themen hinaus verfolgt Proact weiterhin eine aktive M&A-Strategie. Jüngste Akquisitionen in Dänemark und Großbritannien zeigen, dass das Wachstum nicht nur organisch, sondern auch durch gezielte Erweiterung der europäischen Präsenz vorangetrieben wird.
Was Unternehmen vor einer Akquisition bedenken sollten
Die Erfahrungen von teamix, ahd und sepago lassen sich zu zwei Kernempfehlungen verdichten, die für jedes Unternehmen gelten, das vor einer Übernahme steht.
Erstens: Struktur und Prozesse müssen vorhanden sein und gelebt werden. Ein Unternehmen, das hier sauber aufgestellt ist, lässt sich leichter integrieren und behält in der Übergangsphase seine Handlungsfähigkeit.
Zweitens: Der kulturelle Fit darf nicht unterschätzt werden. Prozesse lassen sich angleichen, Tools lassen sich migrieren, aber wenn das Mindset der zusammengehenden Unternehmen nicht passt, scheitern auch die besten Strukturen. Die Menschen und ihre Bereitschaft zur Veränderung sind der entscheidende Faktor.
Warum Proact für den Weg zum Hybrid Cloud Service Provider passt
Abschließend meint Kathrin Kappen:
„Wir sind noch lange nicht am Ende unserer Reise angelangt. Wir arbeiten stetig daran zusammenzuwachsen und schauen dabei immer drei Schritte weiter”
Die Geschichte von Proact Deutschland zeigt, dass der Weg vom Systemhaus zum Hybrid Cloud Service Provider weder kurz noch einfach war. Die Entwicklung der Proact Deutschland ist Teil einer umfassenderen Transformation. Durch strategische Entscheidungen, kulturelle Arbeit, technologische Weiterentwicklung und die Bereitschaft, in neue Betriebsmodelle zu investieren, führt er ans Ziel. Heute positioniert sich Proact als europäisches Technologieunternehmen, das sich auf souveräne und sichere Hybrid-Cloud-Infrastrukturen spezialisiert hat.
Als Partner bringt Proact eine Kombination mit, die selten ist: lokale Nähe bei europaweiter Skalierung, tiefe technische Expertise auf ein breites Serviceportfolio, gewachsene Kundenbeziehungen und die Struktur eines börsennotierten Unternehmens. Für Unternehmen, die einen IT-Partner suchen, der Hybrid-Cloud-Strategien nicht nur berät, sondern operativ umsetzt und betreibt, ist Proact eine Option, die man sich genauer ansehen sollte.