Die IT bildet das Rückgrat praktisch jeder Organisation. Kommt es hier zu einem Ausfall, steht der Betrieb still. Das kann die Existenz des ganzen Unternehmens bedrohen.
Entsprechende Katastrophenfälle – Cyberattacken, Naturkatastrophen, Hardwaredefekte – müssen eingeplant werden. Darin besteht die Aufgabe von Disaster Recovery: Ausfallzeiten gering halten und Datenverluste vermeiden.
Es geht um mehr als reine Backups. Disaster Recovery berücksichtigt auch alternative Kommunikationskanäle, nimmt Risikoabschätzungen vor und regelt Zuständigkeiten. Alle diese Maßnahmen werden in einem zentralen Disaster-Recovery-Plan dokumentiert und regelmäßig getestet.
In diesem Artikel betrachten wir, wie genau Disaster Recovery funktioniert, welche Performance-Indikatoren es gibt und wie die Implementierung gelingt. Er richtet sich an IT-Entscheider, die ihre Infrastruktur zukunftssicher aufstellen wollen.

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Definition: Was ist Disaster Recovery?
Disaster Recovery bezeichnet den Prozess zur Wiederherstellung von Systemen und Unternehmensdaten im Katastrophenfall. Im Deutschen spricht man auch von Notfallwiederherstellung. Solche Katastrophenfälle umfassen zum Beispiel:
- Brände
- Überschwemmungen
- Stromausfälle
- Cyberangriffe
Das konkrete Vorgehen wird in einem Disaster-Recovery-Plan geregelt. Dieser stellt sicher, dass im Notfall sofort die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden, weil die Priorisierungen und Zuständigkeiten bereits geregelt sind. Das kann darüber entscheiden, ob ein Vorfall relativ harmlos verläuft oder zur existenziellen Bedrohung wird.
Ein Disaster-Recovery-Plan umfasst zum Beispiel:
- Konkrete, priorisierte Handlungsanweisungen
- Zuständigkeiten: Wer macht was?
- Lizenzinformationen für Apps und Cloud-Dienste
- Kontaktinformationen, zum Beispiel für Support-Dienste und zu informierende staatliche Stellen
Es gibt drei wesentliche Disaster-Recovery-Modelle:
- Traditionelles DR im eigenen Rechenzentrum: Hohe Anfangsinvestitionen, aber maximale Kontrolle über den DR-Prozess
- Cloud-basiertes DR: Nutzung von bestehenden Cloud-Umgebungen wie AWS oder Azure
- Disaster-Recovery-as-a-Service: Auslagerung der DR an einen externen Service-Provider
Disaster Recovery hängt eng mit dem Begriff der Business Continuity zusammen. Business Continuity bedeutet, dass die Geschäftsprozesse eines Unternehmens durchgängig verfügbar sein sollten. Kommt es doch zu einem Ausfall, greift der Disaster-Recovery-Plan.
Interessante Zahlen
Wie sehr sich Disaster Recovery für Unternehmen empfiehlt, zeigen die folgenden Zahlen:
- Unternehmen erleben im Durchschnitt 86 Ausfälle pro Jahr. 55 Prozent erleben sogar mindestens einmal wöchentlich einen Ausfall.
- Bei über 90 Prozent aller mittelgroßen und großen Unternehmen übersteigen die Kosten für Ausfallzeiten 300.000 Dollar pro Stunde (ca. 260.000 Euro).
- Eine Studie der Allianz ergab, dass Naturkatastrophen das dritthäufigste Geschäftsrisiko für Unternehmen darstellen.
- 8 von 10 deutschen Unternehmen waren laut einer Bitkom-Studie von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen.
- Nur 53 Prozent aller deutschen Unternehmen glauben, dass sie sehr gut auf Cyberangriffe vorbereitet sind.
- In 45 Prozent aller Unternehmen kam es bereits zu permanenten Datenverlusten.
- Nur 54 Prozent aller Organisationen verfügen über einen umfassenden Disaster-Recovery-Plan.
- Ca. 7 Prozent aller Unternehmen mit Disaster-Recovery-Plan führen keine Simulationen durch.
Die Zahlen lassen keinen Zweifel – Katastrophenfälle stellen eine große Gefahr für KMU dar und müssen von den IT-Verantwortlichen antizipiert werden.
RTO vs. RPO
Zwei zentrale Kennzahlen für Disaster Recovery sind Recovery Time Objective (RTO) und Recovery Point Objective (RPO).
Recovery Time Objective
Der RTO definiert, wie viel Zeit bis zur vollständigen Wiederherstellung nötig ist. Das umfasst:
- Wiederherstellung der Systeme
- Wiederherstellung der Daten
- Nachbearbeitung der Daten (falls erforderlich)
- Wiederaufnahme der Geschäftsaktivitäten
Die angestrebte Wiederherstellungszeit kann je nach Komplexität der Infrastruktur und des Vorfalls variieren – von wenigen Minuten bis hin zu Monaten. Generell gilt natürlich: je geringer, desto besser.
Recovery Point Objective
Der RPO legt fest, wie viel Datenverlust akzeptabel ist. Das betrifft normalerweise Backup-Intervalle, also wie viel Zeit zwischen zwei Sicherungen maximal vergehen darf. Je kürzer das Intervall, desto geringer der Datenverlust. Hier muss zwischen Aufwand und Datensicherheit abgewogen werden.

5 Arten von Katastrophen
Disaster Recovery befasst sich mit der Wiederherstellung nach Katastrophenfällen. Dabei gibt es fünf hauptsächliche Szenarien:
- Naturkatastrophen, zum Beispiel Brände, Überschwemmungen und Erdbeben
- Hardwareausfälle durch Abnutzung oder Defekte
- Stromausfälle
- Cyberangriffe
- Menschliches Versagen, zum Beispiel die versehentliche Löschung kritischer Daten
Diese Katastrophenszenarien müssen priorisiert werden, je nach Situation des Unternehmens. Ein Unternehmen, das in Deutschland ansässig ist, wird sich kaum mit Hurrikans befassen müssen. Ein Unternehmen in der Karibik dagegen sehr wohl. Umgekehrt gilt, dass Unternehmen in Deutschland und Nordamerika überdurchschnittlich häufig von Cyberangriffen betroffen sind.
Es gibt aber auch konstante Risiken, unabhängig vom Standort bzw. der Unternehmenssituation. Das betrifft vor allem den Punkt menschliches Versagen. Hierfür muss immer geplant werden.
Disaster Recovery: Die wichtigsten Vorteile
Disaster Recovery bietet Unternehmen mehrere entscheidende Vorteile.
Minimierung von Ausfallzeiten
Dank DR können kritische Systeme schnell wiederhergestellt werden. Das verringert Ausfallzeiten.
Schutz vor Datenverlust
Regelmäßige Backups sorgen dafür, dass Unternehmensdaten im Notfall nicht verloren gehen.
Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
Viele Branchen unterliegen regulatorischen Anforderungen (siehe Blogartikel zu NIS-2 und DORA), was die Datensicherheit angeht. DR-Lösungen tragen dazu bei, diese Vorgaben einzuhalten.
Stärkung des Kundenvertrauens
Wenn ein Unternehmen Ausfälle rasch behebt und Daten schützt, erzeugt das Vertrauen bei Kunden. Das stärkt die Reputation im Markt.
Wettbewerbsvorteil
Wer bei Katastrophen im Vergleich zu Konkurrenten schneller wieder arbeitsfähig ist, gewinnt Marktanteile.

Was ist DRaaS?
Disaster Recovery ist ein aufwendiger, ressourcenintensiver Prozess. Er erfordert:
- Anschaffung von teurer Hard- und Software
- Hohes Maß an internem Know-how
- Zusätzliche personelle Kapazitäten
- Regelmäßige Simulationen
- Ständige Optimierung
Deswegen entscheiden sich viele Unternehmen für Disaster-Recovery-as-a-Service (DRaaS). Hierbei übernimmt ein externer Provider die Erstellung und Durchführung eines Disaster-Recovery-Plans. Das entlastet die interne IT-Abteilung und kann in vielen Fällen die Verlässlichkeit und Qualität des Disaster Recovery verbessern. Denn ein spezialisierter Anbieter hat bereits viele vergleichbare Lösungen für andere Unternehmen umgesetzt und weiß, worauf es ankommt.
Die Zusammenarbeit mit dem Anbieter wird in einem Service Level Agreement (SLA) definiert. Hier wird zum Beispiel festgelegt, wie lange ein bestimmtes System maximal ausfallen darf oder welche Anforderungen bei der Wiederherstellung einer Anwendung zu erfüllen sind. Das SLA definiert auch, welche Konsequenzen drohen, wenn der Provider diese Anforderungen nicht einhalten sollte.
Typischerweise arbeiten DRaaS-Anbieter mit cloudbasierten Failover-Umgebungen. Es existiert also ein Ausweichsystem in der Cloud, welches bei einem Ausfall der Hauptumgebung übernimmt. Solche Umgebungen werden häufig in der Public Cloud gehostet (AWS, Azure, Google Cloud), können aber auch in den datenschutzkonformen Rechenzentren eines europäischen Anbieters (Proact Hybrid Cloud) laufen.
Das bringt mehrere Vorteile mit sich:
- Geografische Redundanz: Die Failover-Systeme liegen physisch weit entfernt von der Hauptumgebung. Das schützt vor lokalen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen.
- Skalierbarkeit: Ressourcen wie virtuelle Maschinen oder Datenbanken können bei steigendem Bedarf leicht hinzugefügt werden.
- Kostensenkungen: Unternehmen müssen teure Hardware-Ressourcen nicht selbst anschaffen und unterhalten.
- Monitoring: Typischerweise bietet die Failover-Umgebung integrierte Tools für die Überwachung und Umschaltung, zum Beispiel Azure Site Recovery.
- Wiederherstellungszeit: Failover-Umgebungen können die Wiederherstellungszeit oft auf Minuten oder Sekunden reduzieren.
- Management: Bei Managed DRaaS liegt die gesamte Verantwortung für die Konfiguration und den Betrieb beim Provider.
| Die Cloud ist aber kein Muss: Viele DRaaS-Provider können auch lokale DR-Umgebungen aufsetzen und vor Ort betreuen. Das kann sich zum Beispiel für Unternehmen in stark regulierten Branchen empfehlen. Proact berät Sie hier im Detail, welche Lösung für Ihre Situation am sinnvollsten ist. |
DR vs. Backup vs. BaaS
Die Begriffe Disaster Recovery, Backup und Backup-as-a-Service werden manchmal verwechselt oder nicht klar abgegrenzt. Tatsächlich bezeichnen sie unterschiedliche Konzepte.
Backups dienen der Datenwiederherstellung. Dafür werden eine oder mehrere Kopien der Daten erstellt. Typischerweise werden dafür unterschiedliche Medien verwendet, die im Idealfall an unterschiedlichen Orten lagern. Kommt es im Unternehmen zu einem Datenverlust (Benutzerfehler, Cyberangriff), kann auf diese Sicherheitskopien zurückgegriffen werden.
Wird die Erstellung der Backups an einen externen Provider abgegeben, spricht man von Backup-as-a-Service (BaaS). Das entlastet das interne IT-Team. Gleichzeitig werden so Backup-Intervalle eingehalten und die Datenintegrität gewährleistet.
Bei Backups, egal ob sie intern oder extern durchgeführt werden, liegt der Fokus auf der technischen Umsetzung: „Wie erstellen wir eine verlässliche Datenkopie?“ Disaster Recovery geht weiter: Sie betrachtet sämtliche Geschäftsprozesse, die von IT-Systemen abhängen. Neben Backups umfasst das Maßnahmen wie:
- Risikoabwägungen
- Erstellung von Netzwerkplänen
- Failover-Mechanismen
- Prozesse für die Notfallkommunikation
- Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten
- Wiederanlaufstrategien
- DR-Simulationen
Unternehmen sollten sich klarmachen, dass Backups alleine nicht ausreichen: Die IT-Infrastruktur muss holistisch geschützt werden. Genau diese holistische Herangehensweise leistet Disaster Recovery.
DR vs. High Availability
Disaster Recovery und High Availability werden teilweise synonym verwendet, aber es existieren Unterschiede.
High Availability konzentriert sich auf die Betriebsstabilität im Tagesgeschäft. Hindernisse sind zum Beispiel Hardware-Defekte und Software-Fehler. Um hier gegenzusteuern, existieren redundante Systeme, auf die automatisch umgeschaltet werden kann. So wird Downtime bei kleineren, lokalen Störungen vermieden.
Disaster Recovery befasst sich mit schwerwiegenden Ausnahmezuständen, zum Beispiel durch eine Naturkatastrophe oder einen Cyberangriff. Die Betriebsunterbrechung ist also bereits eingetreten. Das Ziel besteht darin, die Unterbrechung so kurz wie möglich zu halten und die Systeme vollständig wiederherzustellen.
On-Prem vs. Cloud
Viele Unternehmen arbeiten aktuell noch mit lokalen Disaster-Recovery-Lösungen, erwägen aber den Umstieg auf eine cloudbasierte Lösung. Hier ein Überblick über die Vor- und Nachteile beider Varianten.
Kosten
On-Prem-DR-Lösungen sind vergleichsweise kostenintensiv. Weil die Failover-Umgebung lokal gehostet wird, müssen zusätzliche Server, Storage und Netzwerk angeschafft werden. Hinzu kommen die Kosten für Strom, Wartung und Personal.
Cloud-DR-Systeme erfordern nur geringe Anfangsinvestitionen. Die komplette Hardware wird vom Cloud-Provider gestellt und gewartet. Erfolgt die Bereitstellung durch einen DRaaS-Provider, sind außerdem Personal- und Betriebskosten enthalten.
Auch in Sachen Kostentransparenz schneiden Cloud- bzw. gemanagte Disaster-Recovery-Lösungen tendenziell besser ab. Die Abrechnung erfolgt in der Regel verbrauchsabhängig. Unerwartete Kosten, zum Beispiel Hardware-Defekte, bleiben außen vor.
Prozesse
Unternehmen, denen maximale Kontrolle über ihre Prozesse wichtig ist, sind mit einer On-Prem-Lösung oft besser beraten. Sie können Abläufe bis ins Detail auf ihre Bedürfnisse abstimmen. Dagegen setzen Cloud- bzw. DRaaS-Provider stärker auf standardisierte Prozesse, um eine Vielzahl von Kunden bedienen zu können.
Synchronisation
Es muss sichergestellt werden, dass die Primärumgebung und die Failover-Umgebung auf demselben Software-Stand sind. Das ist mit einigem Aufwand verbunden, weil Unternehmens-Anwendungen zum Teil mehrmals im Monat geupdated werden.
Wenn ein KMU diese Synchronisation intern leisten muss, kann das die Inhouse-Mannschaft schnell an ihre Grenzen bringen. Wenn die Verantwortung hierfür beim Provider liegt, wird das Team entlastet.
Compliance
In bestimmten Industrien verbietet sich die Speicherung von sensiblen Daten in der Public Cloud. Beispiele sind die Finanzindustrie oder das Gesundheitswesen.
Das kann die Zusammenarbeit mit einem externen Anbieter erschweren oder unmöglich machen, insbesondere wenn dieser auf Public-Cloud-Lösungen setzt. Es gibt jedoch auch Anbieter, die Disaster Recovery über eine Private Cloud realisieren. Hier muss genau hingeschaut werden.
Geografische Redundanz
On-Prem-DR-Lösungen befinden sich oft am selben physischen Ort wie die Hauptumgebung. Dagegen wird ein externer Provider die Fallback-Umgebung normalerweise in einem geografisch entfernten Rechenzentrum hosten – oder sogar in mehreren. Das schützt vor lokalen Katastrophen wie Bränden oder Überschwemmungen.
Abhängigkeiten
Eine On-Prem-Lösung bietet ein hohes Maß an Kontrolle. Die Lösung wird von den Inhouse-Experten betrieben, die sich an interne Vorgaben halten müssen.
Dagegen müssen Sie sich bei der Auslagerung an einen Cloud- bzw. DRaaS-Anbieter darauf verlassen können, dass dieser tatsächlich zur Stelle ist, wenn es zu einem Vorfall kommt. Er muss RTOs und RPOs einhalten können, auch wenn bei mehreren Kunden parallel Incidents auftreten – im Zusammenhang mit Ransomware-Angriffswellen ein durchaus wahrscheinliches Szenario.
Das Risiko lässt sich allerdings minimieren, wenn Sie bei der Auswahl Ihres Anbieters Sorgfalt walten lassen. Kontaktieren Sie Kunden des Providers, die bereits von einem Vorfall betroffen waren, und befragen Sie diese nach ihren Erfahrungen.
Hier noch einmal die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Kriterium: | On-Prem DR: | Cloud-/DRaaS-DR: |
| Kosten | Hohe Anfangsinvestitionen (Hardware, Personal, Wartung) | Geringe Anschaffungskosten & verbrauchsabhängige Abrechnung |
| Prozesse | Hohe Kontrolle über DR-Prozesse | Stärker standardisierte DR-Prozesse |
| Synchronisation | Aufwendige Software-Updates | Updates werden vom Provider durchgeführt |
| Compliance | Komplette Datenhoheit | Daten lagern auf externen Servern |
| Geografische Redundanz | Gering; der Failover-Standort befindet sich oft am selben Ort | Hoch; der Failover-Standort befindet sich meist in entfernten Regionen |
| Abhängigkeiten | Hohes Maß an Unabhängigkeit | Mehr Abhängigkeit vom Provider |
Synchron vs. Asynchron
Es gibt zwei Möglichkeiten, Daten zwischen dem Hauptstandort und dem Disaster-Recovery-Standort zu spiegeln – synchron und asynchron.
Synchron
Bei der synchronen Replikation werden Daten sofort gespiegelt: Wenn eine Änderung am Primärsystem erfolgt, wird auch sofort das Replikat angepasst. Das DR-System wartet also nicht ab, bis der Vorgang abgeschlossen ist, sondern vollzieht ihn in Echtzeit.
Der Vorteil: Kommt es zu einem Failover, gehen keine oder nur sehr wenige Daten verloren. Der Recovery Point Objective beträgt also nahezu null.
Der Nachteil: Die Systemauslastung steigt, denn die Systeme müssen sich ständig miteinander austauschen und Daten anpassen. Das setzt eine starke Netzwerkverbindung bzw. eine geringe Entfernung zwischen Hauptstandort und DR-Standort voraus. Diese geringe Entfernung ist der geografischen Redundanz abträglich. Zudem gehen synchrone Verfahren mit höheren Energiekosten einher.
Asynchron
Bei der asynchronen Replikation werden Änderungen zuerst lokal gespeichert. Erst wenn dieser Vorgang abgeschlossen ist, wird auch das Replikat angepasst.
Zum Beispiel könnte ein Mitarbeiter aus dem Einkauf eine neue Bestellung in einer Datenbank anlegen. Erst nachdem der Eintrag vollständig erstellt wurde, wird auch das Disaster-Recovery-System um den Eintrag ergänzt. Dabei gilt der Vorgang aus Systemsicht als abgeschlossen, wenn die entsprechende Log-Datei vorliegt.
Typischerweise werden die entsprechenden Logfile-Änderungen in voreingestellten zeitlichen Abständen erfasst, zum Beispiel alle 60 Sekunden.
Der Vorteil: Die Systeme werden entlastet, weil die Synchronisation nicht in Echtzeit erfolgt. Benutzer können so schneller auf Anwendungen zugreifen und produktiver arbeiten. Das erlaubt die Zusammenarbeit mit weiter entfernten DR-Standorten. Gleichzeitig sinken die Stromkosten.
Der Nachteil: Kommt es zu einem Failover, gehen unter Umständen größere Mengen Daten verloren, weil der DR-Standort noch nicht alle Änderungen erfasst hat.

Hybride Lösungen
Am klügsten ist es, synchrone und asynchrone Verfahren in Kombination einzusetzen. Für besonders kritische Systeme mit hohen Anforderungen an die Datenintegrität sollten bevorzugt synchrone Verfahren verwendet werden. Ein Beispiel sind Kundentransaktionen im Online-Banking oder Wertpapierverkäufe. Dagegen könnte die Langzeitarchivierung dieser Daten asynchron erfolgen, zum Beispiel über Nacht an einem weiter entfernten DR-Standort. Kommt es hier zu einem Failover, ist dieser nicht geschäftskritisch.
Disaster-Recovery-Plan: Best Practices
Mit den folgenden Best Practices stellen Sie sicher, dass Sie auf Katastrophenfälle optimal vorbereitet sind:
1. Koppeln Sie Recovery-Ziele an Geschäftsprozesse
In vielen Unternehmen wird für jede IT-Komponente einzeln definiert, wie schnell sie im Katastrophenfall wieder einsatzbereit sein muss. Zum Beispiel könnte die Vorgabe für das ERP lauten: RTO = 4 Stunden, RPO = 1 Stunde. Das Problem bei diesem Vorgehen: IT-Komponenten stehen fast immer in einem funktionalen Zusammenhang. Das ERP mag schnell wiederhergestellt sein – aber wenn die E-Mail-Server oder das VPN streiken, kann der Einkauf trotzdem keine Bestellungen aufgeben.
Statt von den einzelnen Komponenten her zu denken, sollten Sie lieber von den Geschäftsprozessen ausgehen. Beispiele wären die Rechnungsstellung, die Produktion oder der Kundenservice. Definieren Sie Ihre Recovery-Ziele also funktional, beispielsweise „Die Bestellannahme muss nach 6 Stunden wieder einsatzfähig sein.“
2. Definieren Sie Notfall-Kompromisse
Im regulären Geschäftsbetrieb gelten bestimmte Regeln, zum Beispiel was Abstimmungswege oder Compliance-Vorgaben angeht. Diese sind richtig und wichtig. In Krisensituationen können sie jedoch zur Belastung werden. Sie verzögern unter Umständen geschäftskritische Notfallmaßnahmen. Ransomware-Angriffe sind das klassische Beispiel: Wenn Hacker gerade dabei sind, wichtige Unternehmensdaten zu verschlüsseln, dann kann nicht erst ein Meeting einberufen werden – es muss sofort reagiert werden.
Legen Sie deshalb im Vorfeld fest, welche Regeln im Katastrophenfall ausgesetzt werden dürfen und wer autorisiert ist, das zu entscheiden. Dokumentieren Sie diese „Notstandsgesetze“ schriftlich und lassen Sie alle Stakeholder im Vorfeld gegenzeichnen. Damit verhindern Sie, dass es im Ernstfall zu persönlichen Konflikten kommt – alle haben im Vorfeld zugestimmt.
3. Führen Sie Simulationen durch
Führen Sie mindestens einmal jährlich einen unangekündigten Disaster-Recovery-Test durch. Getestet werden sollten:
- Eskalationsketten: Wie schnell kommen kritische Vorfälle bei den zuständigen Entscheidern an, zum Beispiel IT-Leitern oder der Geschäftsführung?
- Kommunikation mit Partnern: Wie schnell und wie gründlich werden unsere Kunden, Lieferanten und staatliche Stellen ins Bild gesetzt?
- Reaktionsbewertung: Wie angemessen und effektiv sind die Gegenmaßnahmen, welche von den Entscheidern eingeleitet wurden?
- Reaktionszeit: Wie schnell wurden die angeordneten Gegenmaßnahmen vom Team umgesetzt?
Extra-Tipp 1: Beauftragen Sie Ihren DRaaS-Provider, einen fiktiven Katastrophenfall zu entwerfen und überraschend „scharf zu schalten“. Wird die Simulation intern vorbereitet, besteht die Gefahr, dass zu viele Rücksichten genommen werden. Zum Beispiel könnte das Datum so gelegt werden, dass es nicht mit einer Produkteinführung kollidiert. In der Realität werden Katastrophen aber niemals so „ideal“ fallen. Ein externer Partner nimmt hier weniger Rücksichten.
Extra-Tipp 2: Für Tests und Simulationen werden oft nur kleine Datensätze verwendet. Die so gewonnenen Einsichten (zum Beispiel RTOs) sind aber nur begrenzt aussagekräftig. Arbeiten Sie lieber mit Datensätzen, die dem Ernstfall nahekommen. Testen Sie zum Beispiel, wie lange es dauert, 5 bis 10 TB Produktionsdaten wiederherzustellen.
Extra-Tipp 3: Beziehen Sie Lieferanten und andere Partner in Ihre Disaster-Recovery-Tests ein. Klären Sie Prozesse, Zuständigkeiten und Kontaktmöglichkeiten beim Partner ab.
4. Sichern Sie Kommunikationswege doppelt ab
Stellen Sie sicher, dass Ihr Krisenstab auch ohne VPN, E-Mail oder Intranet erreichbar ist. Nutzen Sie dafür redundante Tools wie verschlüsselte Messaging-Apps auf Privathandys oder sogar Satellitentelefone.
Auch der Disaster-Recovery-Plan sollte doppelt vorgehalten werden, am besten in analoger Form. Drucken Sie das Dokument für alle Stakeholder aus und lassen Sie es ihnen zukommen. Noch besser: Schicken Sie allen Entscheidern zwei Kopien – eine fürs Büro und eine für zu Hause.
5. Berücksichtigen Sie Schatten-IT
In den meisten Unternehmen gibt es Schatten-IT, also inoffizielle Systeme, die ohne Wissen des IT-Teams betrieben werden. Zum Beispiel könnte die Buchhaltung ein Software-Tool verwenden, das automatisch Zahlungserinnerungen verschickt.
Das Problem: Kommt es zu einem Katastrophenfall, können die im Tool hinterlegten Daten eventuell nicht wiederhergestellt werden – sie waren nie Bestandteil des offiziellen Disaster-Recovery-Plans. Nun ist unklar, welche Außenstände noch offen sind.
Sie sollten hier an zwei Fronten aktiv werden. Erstens: Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für die Gefahren von Schatten-IT. Am besten funktioniert das, wenn Sie ihnen klarmachen, wie viel Zusatzarbeit droht, falls inoffizielle Systeme nicht wiederhergestellt werden können.
Zweitens: Suchen Sie aktiv nach Schatten-IT. Mit entsprechenden Tools können Sie solche Verstöße relativ leicht aufspüren. Eine sehr gute Lösung ist zum Beispiel Microsoft Defender for Cloud Apps. Das Tool identifiziert nicht-genehmigte Cloud-Dienste anhand von Firewall- und Proxy-Logs. Falls Sie hier Bedarf haben: Unsere Proact-Experten kennen sich bestens mit sämtlichen Microsoft-Security-Produkten aus.
6. Planen Sie ein Krisen-Budget ein
Nicht jede Krise lässt sich mit Standard-DR-Tools bewältigen. Reservieren Sie deshalb ein kleines Budget (5 bis 10 Prozent des DR-Budgets) für Ad-hoc-Lösungen wie kurzfristige Cloud-VMs oder externe Krisenberater.
7. Schulen Sie „Nicht-Techniker“
DR ist kein exklusives IT-Thema. Auch die Mitarbeiter aus der Buchhaltung, dem Vertrieb oder der HR-Abteilung sollten wissen, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben. Führen Sie Schulungen durch, in denen zum Beispiel alternative Ressourcen und Login-Möglichkeiten erläutert werden. Erstellen Sie einen Minimalplan für jede Abteilung, der auch in Papierform vorliegt.
8. Planen Sie für Multi-Cloud-Szenarien
Viele Unternehmen nutzen Multi-Cloud-Lösungen, testen ihre Disaster-Recovery-Prozesse dann aber nur in einer Umgebung. Das kann im Ernstfall zu Komplikationen führen. Prüfen Sie deshalb:
- Gibt es ein zentrales Dashboard für Multi-Cloud-DR?
- Wie können Daten schnell zwischen Plattformen migriert werden, zum Beispiel von AWS zu Azure?
- Funktionieren die Restore-Skripte cloudübergreifend?
Betreiben Sie Disaster Recovery – mit Proact!
Sie möchten auf Katastrophenfälle vorbereitet sein und wünschen sich dafür einen verlässlichen Partner? Dann sollten Sie sich mit unseren Proact-Experten unterhalten. Wir haben bereits für mehrere Unternehmen maßgeschneiderte Disaster-Recovery-Lösungen implementiert, die sich im Ernstfall bewiesen haben. Damit auch Ihr DR-Plan ein Erfolg wird, verwenden wir den folgenden, fünfstufigen Prozess.
1. Analyse
Gemeinsam mit Ihrem IT-Team analysieren wir Ihre aktuelle Infrastruktur, machen Schwachstellen aus und priorisieren Risiken. Wir definieren realistische RTO- und RPO-Ziele, die auch zur Einhaltung von Compliance-Anforderungen beitragen.
2. Strategie
Auf dieser Basis erstellen wir eine DR-Strategie, die zu Ihnen passt. Wir stellen Ihnen verschiedene Optionen vor, erläutern Aufwand und Kosten und bewerten Vor- und Nachteile. In manchen Fällen ist zum Beispiel eine On-Prem-Lösung sinnvoller, in anderen Fällen sollte es eine Cloud-Umgebung sein. Es gibt hier keine Patentrezepte – jedes Unternehmen ist anders und die DR-Strategie muss dem Rechnung tragen.
Auch die Arbeitsteilung zwischen Ihrem Team und Proact kann flexibel gestaltet werden. Manche Unternehmen möchten bestimmte Prozesse inhouse behalten, andere Unternehmen ziehen eine komplette Auslagerung vor. Wir stehen Ihnen in jedem Szenario zur Seite.
3. Implementierung
Nun geht es an die Umsetzung. Das reicht von der Failover-Logik über die Replikation bis hin zum Monitoring. Dabei sorgen wir für eine optimale Integration in Ihre bestehenden Systeme und achten darauf, dass der laufende Betrieb möglichst wenig beeinträchtigt wird.
4. Dokumentation & Test
Sie erhalten von uns eine detaillierte Dokumentation Ihres neuen Disaster-Recovery-Plans, inklusive Abläufen, Rollen und Kommunikationsstrategien. Zudem testen wir diesen Plan in regelmäßigen Abständen, sodass im Ernstfall keine Unsicherheiten bestehen.
5. Betrieb und Optimierung
Auch nach der erfolgreichen Einführung lassen wir Sie nicht alleine. Wir überwachen Ihre Backup- und DR-Systeme, führen Updates durch, geben Optimierungsempfehlungen und beantworten Support-Anfragen. Auch über neue technische Möglichkeiten, zum Beispiel im Zusammenhang mit KI, halten wir Sie auf dem Laufenden.
Das klingt interessant? Dann kontaktieren Sie uns jetzt für ein kostenloses Beratungsgespräch. Wir freuen uns schon, von Ihnen zu hören!

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