SD-WAN erklärt: Vorteile, Funktionen & Use Cases

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Moderne Unternehmensnetzwerke müssen viel leisten: Sie müssen weit entfernte Zweigstellen mit der Zentrale verbinden, Anwendungen bereitstellen sowie die Stabilität und Sicherheit der Verbindungen gewährleisten. Andernfalls kann es zu Netzwerküberlastungen, Paketverlusten oder sogar Angriffen auf das Netzwerk kommen.

Hinzu kommt, dass die Performance-Anforderungen in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Dienste wie Videokonferenzen und Streaming erfordern geringe Latenzen bzw. hohe Bandbreite.

SD-WANs helfen Ihnen dabei, diese Herausforderungen zu meistern. Indem die Control Plane von der Data Plane abstrahiert wird, vereinfachen sie das Netzwerkmanagement und die Anbindung neuer Standorte. Weil mehrere Verbindungsarten parallel genutzt werden, verbessern sie die Ausfallsicherheit.

Kein Wunder, dass sich SD-WANs steigender Beliebtheit erfreuen. Die Consulting-Firma Analysys Mason prognostiziert, dass sich die Zahl der SD-WAN-Standorte bis 2029 nahezu verdoppeln wird – von 4,5 auf über 8 Millionen.

In diesem Artikel gehen wir auf die Funktionsweise und die Vorteile von SD-WANs ein, betrachten aber auch mögliche Nachteile und geben Tipps für die Implementierung.

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Definition: Was ist SD-WAN?

SD-WAN steht für „Software-Defined Wide Area Network“. Es handelt sich also um einen softwaredefinierten Ansatz für das Management von WANs. Das bedeutet, dass oberhalb der Hardware-Ebene eine virtuelle Netzwerkstruktur geschaffen wird, ein sogenanntes Overlay-Netzwerk. Hardware und Software werden auf diese Weise voneinander abstrahiert. SD-WAN basiert damit auf den Prinzipien des Software-Defined Networking (SDN).

Diese Trennung von Data und Control Plane vereinfacht das Netzwerk-Management. Gateways und Router müssen nicht länger einzeln verwaltet werden – die komplette Steuerung erfolgt nun über die zentrale Controller-Software. Hier können auch Policies für das gesamte Netzwerk festgelegt und durchgesetzt werden.

Ein weiterer Vorteil: SD-WAN reduziert den Bedarf an manuellen Konfigurationen vor Ort. Ihre Inhouse-IT-Experten müssen also weniger oft zwischen verschiedenen Standorten pendeln, um Netzwerkänderungen vorzunehmen.

Zudem zeichnen sich SD-WANs durch ihre Flexibilität aus. Informationen müssen nicht über einen bestimmten Kanal transportiert werden. Stattdessen wählt die Controller-Instanz die jeweils beste aus mehreren Verbindungen aus, um Daten an verschiedene Standorte zu übermitteln.

Ein Beispiel: Die Zweigstellen eines Retailers sollen vor Geschäftsschluss ihre Umsatzzahlen an den Firmenhauptsitz senden. Aufgrund des hohen Datenaufkommens ist die reguläre Leitung jedoch überlastet. Die Controller-Instanz erkennt das und leitet den Datenverkehr auf die LTE-Verbindung um. So erhält die Zentrale noch rechtzeitig die gewünschten Daten.

Bestimmte Geschäftsmodelle machen besonders häufig von SD-WAN-Lösungen Gebrauch, zum Beispiel:

  • Einzelhändler mit einem verteilten Filialnetz
  • Banken mit mehreren Zweigstellen
  • Industriebetriebe mit entfernten Produktionsstätten

Die Infrastruktur für ein SD-WAN kann sich on-prem oder in der Cloud befinden; auch Hybridmodelle existieren.

Architektur

Ein SD-WAN besteht aus den folgenden Komponenten.

SD-WAN-Orchestrator

Diese zentrale Konsole verwaltet die gesamte SD-WAN-Infrastruktur. Mithilfe des Orchestrator lassen sich Policies festlegen und durchsetzen, zum Beispiel was Traffic-Routing oder die Netzwerk-Sicherheit angeht. Außerdem können leicht neue Standorte eingebunden werden, ohne dass eine manuelle Konfiguration nötig wäre (Zero-Touch Provisioning, ZTP). Zudem kann über entsprechende Dashboards die Netzwerk-Performance überwacht werden.

Wie der Name nahelegt, kann man diese Instanz mit dem Dirigenten eines Orchesters vergleichen: Der Dirigent behält den Überblick über die Musiker und Instrumente, spielt aber nicht selbst mit.

SD-WAN-Controller

Der SD-WAN-Controller ist eine Ebene unterhalb des Orchestrator angesiedelt. Seine Funktion: Er trifft Routing-Entscheidungen in Echtzeit. Dafür betrachtet der Controller Faktoren wie verfügbare Verbindungen, die Latenz und Bandbreite. Auf diese Weise stellt er sicher, dass Datenpakete zuverlässig und schnell zwischen unterschiedlichen Unternehmensstandorten hin- und hergeschickt werden können. Der zentrale SD-WAN-Controller kann durch regionale Controller ergänzt werden. Diese helfen bei der Lastverteilung und tragen zur Resilienz bei.

Damit ähnelt der SD-WAN-Controller einem Navigationssystem im Auto, das selbstständig die beste aus mehreren Routen auswählt.

SD-WAN-Edge

Die SD-WAN-Edge umfasst Netzwerkgeräte und Software, welche sich an den Endpunkten des Netzwerks befinden. Dabei könnte es sich um eine Zweigstelle, ein Remote-Rechenzentrum oder eine Public Cloud handeln. Diese Endpunkte sind über unterschiedliche Verbindungstypen an das Netzwerk angebunden. Um die Sicherheit zu erhöhen, kommen hier oft VPN-Tunnel zum Einsatz.

Man kann sich die SD-WAN-Edge als Autobahnauffahrt vorstellen, über welche die Zweigstellen-Daten in das Netzwerk eingespeist werden.

SD-WAN-Service-Komponenten

Die 3 Instanzen im Zusammenspiel

Hier ein Überblick, wie die genannten Komponenten zusammenwirken:

  • Der SD-WAN-Orchestrator gibt die Regeln vor, was die Traffic-Priorisierung, die Sicherheit und die Quality of Service (QoS) angeht.
  • Der SD-WAN-Controller trifft die Routing-Entscheidungen, also welche Verbindung zu einem bestimmten Zeitpunkt genutzt werden soll.
  • Die SD-WAN-Edge setzt diese Entscheidungen vor Ort um und leitet beispielsweise Datenpaket A über die Glasfaser-Verbindung und Datenpaket B über die LTE-Verbindung.

Welche Deployment-Modelle es gibt

Es gibt drei unterschiedliche Deployment-Modelle für SD-WANs.

1. On-Prem-SD-WAN

Bei dieser Variante wird die Infrastruktur überwiegend lokal gehostet, also im eigenen Rechenzentrum oder direkt an den Unternehmensstandorten.

Damit haben die IT-Verantwortlichen ein hohes Maß an Kontrolle über das Netzwerk. Das ist ideal für Unternehmen, die strenge Compliance- und Sicherheitsvorgaben erfüllen müssen. Außerdem fällt die Latenz bei einem On-Prem-SD-WAN gering aus, weil lokale Datenströme nicht über Cloud-Dienste geleitet werden müssen.

Allerdings geht die On-Prem-Variante auch mit höheren Anschaffungskosten und mehr Verwaltungsaufwand einher. Zudem lassen sich Cloud-Anwendungen weniger leicht einbinden (was durchaus erwünscht sein kann).

SD-WAN-On-Prem

2. Cloud-natives SD-WAN

Hier erfolgt die Steuerung des SD-WANs über eine Cloud-Plattform. Wo sinnvoll, kann der Datenverkehr direkt zu Cloud-Services geroutet werden, ohne Umweg über das zentrale Rechenzentrum.

Die Cloud-Variante punktet durch sehr gute Skalierbarkeit. Außerdem sind die Hardware-Anforderungen gering, was die Bereitstellung beschleunigt. Für Unternehmen, die hauptsächlich SaaS- und IaaS-Dienste nutzen möchten, stellt diese Variante die ideale Lösung dar.

Allerdings macht sich das Unternehmen durch ein Cloud-natives SD-WAN stärker vom Provider abhängig. Kommt es beim Provider zu technischen Schwierigkeiten oder einem Sicherheitsvorfall, muss das Unternehmen abwarten, bis das Problem gelöst ist. Zudem kann die Cloud-Variante in höheren Latenzen resultieren, speziell, wenn die Cloud-Infrastruktur weit vom Unternehmensstandort entfernt ist.

SD-WAN-Cloud-nativ

3. Hybrid SD-WAN

Diese Variante kombiniert On-Prem- und Cloud-Ressourcen. Der Vorteil: Sensible Bereiche des Netzwerks können lokal betrieben werden, während das Unternehmen gleichzeitig von der Skalierbarkeit und den Kostenvorteilen der Cloud profitiert.

Allerdings gehen hybride SD-WANs meist mit einem höheren Verwaltungsaufwand einher: Die verschiedenen Netzwerk-Umgebungen müssen sorgfältig orchestriert werden. Weiterhin ist die Hybridvariante meist etwas teurer als reine On-Prem- oder Cloud-Lösungen.

Hinweis: Der Begriff „Hybrid SD-WAN“ wird unterschiedlich gebraucht. Einerseits kann er sich, wie hier, auf die Deployment-Form beziehen. Andererseits bezeichnet er die Fähigkeit eines SD-WANs unterschiedliche Verbindungstypen (MPLS, Breitband, LTE) zu kombinieren.

SD-WAN-Hybrid

SD-WAN vs. klassisches WAN

Früher wurden fest verlegte Verbindungen genutzt, um den Hauptsitz eines Unternehmens mit den verschiedenen Zweigstellen zu vernetzen. Diese MPLS-Verbindungen (Multiprotocol Label Switching) sind jedoch teuer, was den Betrieb und die Skalierung angeht. Außerdem gestalten sich Änderungen am Netzwerk aufwendig – im schlimmsten Fall kann es Wochen oder Monate dauern, um eine neue Leitung einzurichten. Dies gilt besonders für ländliche Gebiete, in denen entsprechende Leitungen noch nicht vorhanden sind, sodass zuerst Erdverlegungen vorgenommen werden müssen.

Hier kann ein SD-WAN seine Stärken ausspielen. Es ergänzt oder ersetzt die klassischen MPLS-Leitungen durch verschiedene andere Verbindungen (Breitband, 4G/5G, Satelliten-Verbindungen). Die Software analysiert nun die Auslastung aller verfügbaren Verbindungen und wählt automatisch die beste Route aus.

Zudem folgen traditionelle WANs einer Hub-Logik. Das heißt, der komplette Datenverkehr wird immer über ein zentrales Rechenzentrum geleitet. Dies stellt jedoch einen Umweg dar, falls Daten in die Cloud transferiert werden sollen. Darunter leidet die Ausführung von Anwendungen und die User-Experience wird beeinträchtigt.

Auch hier schafft ein SD-WAN Abhilfe. Statt den Umweg über das eigene Rechenzentrum zu wählen, können Anwendungen wie Microsoft 365 oder Salesforce direkt angesteuert werden.

SD-WAN-Architektur

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

Klassisches WAN:SD-WAN:
Der Traffic wird immer über das Hauptrechenzentrum geleitetTraffic kann direkt in die Cloud oder ins Rechenzentrum geleitet werden
Stellt private Verbindungen zur Verfügung; verlässlich, aber unflexibelMacht von verschiedenen Verbindungstypen Gebrauch, zum Beispiel MPLS, Breitband und LTE
Das Netzwerk muss manuell konfiguriert werdenDie Netzwerksteuerung erfolgt automatisch, inklusive Echtzeit-Analyse
Die Performance von Anwendungen hängt stark vom Datenaufkommen abDie Performance bleibt auch bei hohem Datenaufkommen stabil, da der Traffic intelligent verteilt wird
Daten werden partitioniert, aber normalerweise nicht verschlüsseltVerwendet verschlüsselte VPN-Tunnel
Kostenintensiver, weil teure MPLS-Verbindungen genutzt werdenPreiswerter, weil Traffic auch über günstige Verbindungstypen geleitet werden kann
Keine integrierten Security-MechanismenSD-WANs verfügen meist über einen integrierten Security-Stack (Firewalls, IDS/IPS etc.)

Unterschied SD-WAN vs. SDN

Software-Defined Networking (SDN) ist ein Konzept für die Organisation von Netzwerken. Es löst die enge Verzahnung zwischen Hardware und Software ab, wie sie für klassische Netzwerkstrukturen typisch ist.

Ist die Steuerung direkt in die Hardware integriert, resultiert das in mehr Komplexität. Jeder Switch oder Router trifft eigenständig Entscheidungen zur Datenweiterleitung. Das bedeutet: Jedes Mal, wenn eine Änderung am Netzwerk vorgenommen werden soll, müssen zuerst alle betroffenen Geräte separat neu konfiguriert werden.

SDN zentralisiert die Verwaltung, indem es eine Software-Ebene oberhalb der Hardware-Ebene einzieht. Diese abstrahierte Controller-Ebene kann nun alle Geräte direkt ansteuern.

Das SDN-Konzept lässt sich auf verschiedene Netzwerkformen übertragen, wie Local Area Networks (SD-LAN) oder WiFi-Netze (SD-WiFi). Handelt es sich um ein Wide Area Network, spricht man von einem SD-WAN.

Zusammenfassend kann man sagen: SDN ist ein Konzept für das Management von Netzwerken, bei dem die Control Plane von der Data Plane abstrahiert wird. SD-WAN greift die Prinzipien von SDN auf und wendet sie auf Wide Area Networks an.

Welche Vorteile bietet ein SD-WAN?

Ein SD-WAN bietet Ihrem Unternehmen zahlreiche Vorteile:

Standort-Einbindung

Neue Filialen und Standorte können zeitnah über bestehende Internetverbindungen in das Firmennetzwerk eingebunden werden. Sie müssen nicht erst die Einrichtung von MPLS-Leitungen abwarten.

Mehr Flexibilität

Ein SD-WAN macht es Ihnen leichter, neue Netzwerkverbindungen hinzuzufügen oder bestehende Verbindungen anzupassen. Das kann zum Beispiel nützlich sein, wenn kurzfristig ein Pop-up-Store eingerichtet und wieder abgebaut werden soll.

Kosteneffizienz

Anstelle teurer MPLS-Leitungen nutzt ein SD-WAN günstige Internetverbindungen (DSL, Breitband, 4G/5G). Falls bereits MPLS-Verbindungen existieren, können diese aber problemlos integriert werden.

Weiterhin reduziert ein cloud-natives SD-WAN Betriebskosten, da weniger Hardware benötigt wird. Außerdem fällt der Wartungsaufwand geringer aus als bei einem klassischen, zentralisierten Netzwerk. Dies gilt insbesondere, falls es sich um ein Managed SD-WAN (z. B. im Rahmen des Proact SD-Connect-Services, bestehend aus SD-LAN, SD-WAN und SD-WiFi) handelt.

Bessere Leistung

Ein SD-WAN ist in der Lage, selbstständig geschäftskritische Anwendungen auszumachen, zum Beispiel Videokonferenzen. Es wird solche Anwendungen priorisieren.

Redundanz

Bei einem SD-WAN werden mehrere Internetverbindungen parallel genutzt. Fällt eine Verbindung aus, wechselt die Lösung automatisch zu einer anderen Verbindung.

Direkter Cloud-Zugang

In traditionellen Netzwerken läuft jede Anfrage zuerst über das zentrale Unternehmensrechenzentrum. Nicht so bei einem SD-WAN – hier können sich die User direkt mit ihrer bevorzugten Cloud-Anwendung verbinden, zum Beispiel mit Microsoft 365. Das resultiert in niedrigen Latenzzeiten und letztlich in mehr Produktivität.

Hohes Maß an Sicherheit

Moderne SD-WAN-Lösungen folgen einem Zero-Trust-Ansatz – das heißt, jeder Zugriff wird verifiziert. Außerdem werden die Daten in der Regel verschlüsselt und der Datenverkehr durch Firewalls geschützt.

Zentrale Verwaltung

In der Vergangenheit mussten Ihre Admins zwischen verschiedenen Standorten pendeln, um Wartungsarbeiten vorzunehmen und Troubleshooting zu betreiben. Ein SD-WAN schafft hier Abhilfe – viele Netzwerk-Arbeiten können remote erfolgen.

Mögliche Nachteile

Wie jede Technologie hat auch SD-WAN potenzielle Nachteile:

Sicherheitsrisiken

SD-WANs stützen sich oft auf kommerzielle Breitbandverbindungen. Allerdings sind diese potenziell weniger sicher als klassische MPLS-Verbindungen, weil sie an das öffentliche Internet angebunden sind.

Dieses Risiko lässt sich jedoch deutlich minimieren, wenn entsprechende Netzwerk-Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen:

  • Zero-Trust-Architekturen
  • VPN-Verschlüsselung
  • Next-Generation Firewalls (NGFW)

Viele moderne SD-WAN-Lösungen bieten diese Lösungen standardmäßig.

Implementierung

SD-WANs sind wartungsfreundlich, weil alle Hardware-Instanzen zentral verwaltet werden können. Allerdings ist die Implementierung mit einigem Aufwand verbunden, also der Wechsel von einer klassischen Architektur zu einem SD-WAN: Es müssen mehr Verbindungstypen als bisher eingebunden und koordiniert werden.

Für Unternehmen, die vor der Umstellung zurückscheuen, bietet sich die Zusammenarbeit mit einem Service-Provider wie Proact an. Wir übernehmen die Implementierung und auch die fortlaufende Betreuung, falls Sie das wünschen.

Konnektivität

Bei einem klassischen WAN können Sie sich auf stabile MPLS-Verbindungen stützen. Mit einem SD-WAN sind Sie dagegen auf eine gute Internetverbindung angewiesen. Sie sind also stärker vom Internet-Provider abhängig.

Allerdings machen SD-WANs diesen Nachteil durch ihr dynamisches Pfadmanagement wett: Fällt die Hauptleitung aus, wechselt das System automatisch auf eine Nebenleitung. Zudem kann es helfen, sich vom Internet-Provider eine Mindestbandbreite im SLA garantieren zu lassen.

SASE

SD-WANs werden häufig zusammen mit einer anderen Technologie eingesetzt, der Secure Access Service Edge (SASE). Der Begriff geht auf den Gartner-Analysten Neil MacDonald zurück. Während SD-WANs für die Konnektivität sorgen, integriert SASE Sicherheitsfunktionen über die Cloud. Das heißt, Geräte am Netzwerkrand beziehen Security-Features als Cloud-Computing-Service. Die Services werden also nicht über das zentrale Rechenzentrum zur Verfügung gestellt.

Zu diesen Sicherheitsdiensten zählen:

  • Firewall-as-a-Service (FWaaS)
  • Secure Web Gateway (SWG)
  • Cloud Access Security Broker (CASB)
  • Zero Trust Network Access (ZTNA)
  • Data Loss Prevention (DLP)
  • Antivirus- und Anti-Malware-Dienste

Der Trend zu SASE hängt eng mit dem Siegeszug der Mobilgeräte, der Cloud und des Edge-Computings zusammen: SASE wird diesen Entwicklungen besser gerecht als das zentrale Rechenzentrum, weil es Sicherheitsfunktionen näher an die Edge bringt. Zur Sicherheit trägt auch bei, dass spezialisierte SECaaS bzw. Managed-Security-Services-Anbieter normalerweise die neuesten Security-Tools im Einsatz haben.

QoS

Ein weiteres Schlüsselkonzept aus dem SD-WAN-Umfeld ist Quality of Service (QoS). QoS stellt sicher, dass geschäftskritische Anwendungen vom Netzwerk bevorzugt behandelt werden.

Beispiele für Anwendungen, die oft von QoS priorisiert werden:

  • VoIP-Telefonie
  • Videokonferenzen
  • Echtzeit-Datenübertragungen

Andere Anwendungen, zum Beispiel das Web-Browsing von Usern, werden demgegenüber zurückgestellt. Auf diese Weise werden Latenzprobleme, Jitter und Paketverluste vermieden.

SD-WAN integriert QoS direkt in seine Architektur. Dafür kommen die folgenden Techniken zum Einsatz:

  • Dynamische Pfadauswahl: Die Controller-Instanz analysiert die Qualität aller verfügbaren Verbindungen (MPLS, Breitband, LTE, Satellit) und leitet den Datenverkehr über die performanteste Route.
  • Application-Aware Routing: SD-WAN erkennt verschiedene Applikationen und wägt sie gegeneinander ab. Geschäftskritische Dienste wie Videokonferenzen mit Kunden werden priorisiert, während weniger kritische Anwendungen nachrangig behandelt werden.
  • Nutzergruppen-Vorrang: Es kann auch eine Priorisierung nach Nutzergruppen erfolgen. Zum Beispiel könnte es sein, dass besonders ressourcen-intensive Jobs oder Abteilungen (CAD-Experten, Video-Editoren) vom Netzwerk bevorzugt behandelt werden.
  • Paketmarkierung: Es können auch einzelne Datenpakete markiert werden, zum Beispiel mittels DSCP (Differentiated Services Code Point). Die Controller-Instanz sorgt dann dafür, dass diese kritischen Datenpakete sicher ankommen.

SD-WAN & KI

KI ist im Begriff, sämtliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche zu revolutionieren. Das gilt auch fürs Networking und für SD-WAN im Besonderen. Mithilfe von KI-Tools können SD-WANs noch intelligenter auf Netzwerkveränderungen reagieren. Hier mehrere Use Cases:

1. Automatisierte Netzwerkoptimierung

Via Machine Learning können stärker als bisher historische Daten einbezogen werden. Das SD-WAN kann auf diese Weise vorhersagen, wann Engpässe zu erwarten sind und frühzeitig entsprechende Ressourcen bereitstellen.

2. Selbstheilung

KI ermöglicht das „Self-Healing Network“. Zeichnen sich Anomalien ab, die auf mögliche Hardware- oder Verbindungs-Ausfälle hinweisen, kann das Netzwerk selbstständig Gegenmaßnahmen ergreifen.

3. Bedrohungsmanagement

Security Threats wie Malware-Attacken oder DDoS-Angriffe können von der KI in Echtzeit erkannt und neutralisiert werden. Das Netzwerk kann zum Beispiel bestimmte Verbindungen blockieren oder bereits infizierte Bereiche selbstständig isolieren.

Best Practices für die Einführung

Mit den folgenden Best Practices wird Ihr SD-WAN-Projekt zum Erfolg.

1. Analysieren Sie den Status quo

Betrachten Sie im ersten Schritt Ihre Ausgangssituation:

  • Wie ist die jetzige Netzwerk-Topologie beschaffen?
  • Welche Standorte müssen angebunden werden?
  • Welche Anwendungen haben Sie im Einsatz? Wie kritisch sind diese Anwendungen im Hinblick auf Geschäftsziele?
  • Gibt es bestehende MPLS-Verbindungen, die weitergenutzt werden sollen?
  • Welche Compliance-Anforderungen bestehen?

Es kann helfen, die Netzwerktopologie unter Verwendung von Tools wie Microsoft Visio zu visualisieren. Auf dieser Grundlage können Sie dann Ihre SD-WAN-Ziele definieren.

2. Definieren Sie Ziele

SD-WANs sind kein Selbstzweck, sondern sollten immer ein klar definiertes Geschäftsziel bedienen. Erörtern Sie diese Zielsetzung im Team. Die folgenden Fragen helfen dabei:

  • Möchten wir primär die Netzwerkperformance verbessern, weil zeitkritische Daten nicht rechtzeitig am Firmenhauptsitz ankommen oder weil große Mengen unstrukturierte Daten die Leitungen überlasten?
  • Möchten wir primär Kosten senken und teure MPLS-Verbindungen teilweise oder ganz ersetzen?
  • Geht es uns vor allem um das Thema Flexibilität, weil wir zum Beispiel planen, in naher Zukunft Dutzende neuer Standorte zu eröffnen, die unkompliziert angebunden werden sollen?
  • Möchten wir die Sicherheit im Netzwerk anheben, zum Beispiel, indem wir das SD-WAN von einem Provider wie Proact managen lassen, der nur die neuesten Security-Technologien verwendet?

3. Wählen Sie Ihr Deployment-Modell

Eine zentrale Frage ist die nach dem richtigen Deployment-Modell für Ihr Unternehmen. Jedes Modell hat spezifische Stärken und Schwächen, die es abzuwägen gilt.

Ein cloud-basiertes SD-WAN skaliert sehr gut. Wenn Sie bereits wissen, dass Ihr Geschäftsvolumen in den nächsten Jahren stark ansteigen wird, dann könnte dies die richtige Lösung sein. Sie sollten allerdings Compliance-Anforderungen im Blick behalten. In bestimmten Industrien sind Public Clouds keine Option.

Falls Ihnen maximale Kontrolle über Ihre Daten wichtig ist, dann bietet sich ein On-Prem-SD-WAN an. Hier erfolgt die Steuerung des Netzwerks vor Ort, unter Verwendung von unternehmenseigener Hardware. Allerdings skalieren solche Lösungen weniger gut.

Auch Mischmodelle sind möglich, bei denen Sie sensible Netzwerk-Areale lokal hosten und unproblematische Bereiche in die Cloud geben. Allerdings ist hier der anfängliche Orchestrierungsaufwand höher.

4. MPLS – ja oder nein?

Falls Sie bereits MPLS-Verbindungen nutzen, kann es sinnvoll sein, diese weiterzuverwenden. Die MPLS-Leitungen werden dann um weitere Verbindungstypen (zum Beispiel Breitband oder LTE) ergänzt.

Falls Sie bisher keine MPLS-Verbindungen genutzt haben, ist es meist einfacher, ausschließlich auf Internetverbindungen zurückzugreifen. Diese stehen schnell zur Verfügung und sind vergleichsweise günstig. Achten Sie darauf, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren (s. nächster Schritt).

5. Planen Sie Security-Maßnahmen ein

Weil SD-WANs auch öffentliche Internetverbindungen nutzen, muss der Sicherheitsaspekt von Anfang an eingeplant werden. Empfehlenswerte Maßnahmen sind:

  • Zero Trust: Keinem der User im Netzwerk sollte automatisch vertraut werden. Hierzu tragen Identitätsdienste wie Entra ID und Zwei-Faktor-Authentifizierung bei.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Alle Daten sollten bestmöglich verschlüsselt werden.
  • Next-Generation Firewalls (NGFW): NGFWs erkennen selbständig Anwendungen, setzen benutzerbasierte Regeln um und blockieren Schadsoftware.
  • Intrusion Prevention Systems (IPS): Diese Frühwarn-Tools erkennen Anomalien im Netzwerkverkehr und blockieren Angriffe aktiv.

6. Eigenbetrieb vs. Outsourcing

Eine weitere wichtige Frage: Wer übernimmt die Umsetzung? Möchten Sie Ihr SD-WAN in Eigenregie aufsetzen oder mit einem spezialisierten Partner zusammenarbeiten? Falls Letzteres: Bevorzugen Sie SD-WAN-as-a-Service oder ein Managed SD-WAN?

Im Folgenden betrachten wir die Vor- und Nachteile jeder Variante.

SD-WAN im Eigenbetrieb

Hier unterhält das Unternehmen die Infrastruktur und führt den Betrieb durch. Dies kann eine gute Lösung für Unternehmen mit großer IT-Abteilung sein, die bereits über zahlreiche Netzwerk-Spezialisten verfügen.

Die Vorteile:

  • Maximale Kontrolle: Alle Parameter des Netzwerks unterliegen der Kontrolle Ihrer IT-Experten.
  • Flexibilität: Anpassungen können jederzeit intern vorgenommen werden, vorausgesetzt das entsprechende Know-how ist vorhanden.

Die Nachteile:

  • Hoher Wartungsaufwand: Die komplette Netzwerkverwaltung, von der Konfiguration über das Monitoring bis zum Troubleshooting, muss selbst durchgeführt werden.
  • Skalierung: Die IT-Abteilung muss selbst dafür sorgen, dass das Netzwerk mit dem Unternehmen mitwächst.

SD-WAN-as-a-Service

Hier stellt ein Provider die SD-WAN-Infrastruktur bereit, on-prem oder über die Cloud. Der Provider übernimmt zudem grundlegende Monitoring- und Wartungsaufgaben, zum Beispiel das Update-Management. Bestimmte Aspekte verwaltet das Unternehmen jedoch selbst, beispielsweise die Durchsetzung von Data Policies.

Die Vorteile:

  • Geringe Investitionskosten: Hardware muss nicht selbst angeschafft werden, sondern wird gemietet bzw. über die Cloud bezogen.
  • Einfache Implementierung: Das SD-WAN steht schnell zur Verfügung. Es gibt keine lange Vorlaufphase.
  • Regelmäßige Updates: Der Provider kümmert sich um das Aufspielen von Updates und hält die Infrastruktur auf dem neuesten Stand.

Die Nachteile:

  • Abhängigkeit vom Anbieter: Das Unternehmen muss sich darauf verlassen können, dass der Anbieter den im SLA definierten Verpflichtungen nachkommt.

Managed SD-WAN

Ein Managed SD-WAN geht einen Schritt weiter: Der Dienstleister stellt nicht nur die Infrastruktur bereit, sondern übernimmt auch sämtliche operative Aufgaben (Konfiguration, Wartung, Monitoring, Troubleshooting).

Die Vorteile:

  • Fokus aufs Kerngeschäft: Die internen IT-Experten können sich auf das Kerngeschäft konzentrieren bzw. Innovationsprojekte wie KI vorantreiben.
  • Support: Der Provider übernimmt auch sämtliche Support-Aufgaben, was die interne IT-Abteilung weiter entlastet.
  • Erfahrungswerte: Spezialisierte Netzwerk-Provider verfügen über viel Erfahrung aus früheren Kundenprojekten. Von diesem Know-how profitiert das Unternehmen.
  • IT-Security: Spezialisierte Provider haben die neuesten IT-Security-Tools im Einsatz, um Daten besser zu schützen und Compliance-Anforderungen gerecht zu werden.

Die Nachteile:

  • Kosten: Managed SD-WANs sind tendenziell kostenintensiver. Allerdings können sich diese Mehrkosten schnell amortisieren, nachdem zum Beispiel kostspielige Ransomware-Attacken abgewehrt wurden.

7. Schrittweise Einführung

Es empfiehlt sich, ein SD-WAN-Projekt in Etappen auszurollen, statt direkt alle Standorte einzubinden. Starten Sie ein Pilotprojekt mit drei bis vier Standorten, um die Lösung kennenzulernen. Im Rahmen dieses Pilotprojekts sollten Sie Leistungs- und Stabilitätstests durchführen, um konkrete Werte für eine ganzheitliche Machbarkeit zu erhalten. Holen Sie außerdem Feedback von Anwendern ein und nehmen Sie entsprechende Optimierungen vor.

Hat sich das Pilotprojekt bewiesen, können Sie die Lösung dann auf sämtliche Standorte ausweiten.

SD-WAN implementieren – mit Proact

Sie überlegen, ein SD-WAN einzuführen und wünschen sich dafür einen verlässlichen Partner? Dann sollten Sie sich mit unseren Proact-Experten unterhalten. Wir implementieren regelmäßig SD-WAN-Lösungen für Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen. Um die optimale Lösung zu schaffen, verwenden wir den folgenden, vierstufigen Einführungsprozess.

1. Analyse

Jedes Unternehmen hat spezielle Netzwerkbedürfnisse. Deshalb führen wir im ersten Schritt eine umfassende Analyse durch. Wir stellen fest, wie Ihre aktuelle Infrastruktur beschaffen ist, welche Anwendungen dominieren und welche Geschäftsziele es gibt. Dabei arbeiten wir eng mit Ihrer Inhouse-Abteilung zusammen und hören Ihren Experten genau zu.

2. Lösungs-Design

Im zweiten Schritt entwerfen wir eine maßgeschneiderte SD-WAN-Lösung für Ihre Geschäftsanforderungen. Dabei berücksichtigen wir eine Vielzahl von Faktoren, von der Performance über Compliance- und Sicherheitsanforderungen bis hin zur Skalierbarkeit. Natürlich fließen auch Budget-Vorgaben in die Planung ein.

3. Implementierung

Nun geht es an die Implementierung Ihrer neuen Netzwerklösung. Das kann Hardware-Ergänzungen erfordern, das Einrichten von neuen Verbindungen oder eines zentralen Interfaces. Dabei achten wir darauf, den laufenden Geschäftsbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

4. Monitoring & Optimierung

Auch nach der erfolgreichen Einführung lassen wir Sie nicht alleine. Wir überwachen Ihr SD-WAN in Echtzeit, analysieren die Performance und nehmen fortlaufend Optimierungen vor. Auch über neue Trends und Chancen im Bereich Networking halten wir Sie auf dem Laufenden, zum Beispiel was die KI-gestützte Verwaltung von Netzwerken angeht. Natürlich beantworten wir auch alle Ihre Support-Anfragen zeitnah und gründlich.

Kurz gesagt – Proact ist Ihr Full-Service-Partner für SD-WAN und SDN.

Das klingt interessant? Dann kontaktieren Sie uns jetzt für ein kostenloses Beratungsgespräch. Wir freuen uns schon, von Ihnen zu hören!

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