Ein unerwarteter Systemausfall kann Ihr ganzes Unternehmen zum Stillstand bringen und im schlimmsten Fall zum wirtschaftlichen Ruin führen. Ein Disaster-Recovery-Plan (DRP) hilft, das zu verhindern. Er definiert Maßnahmen, um im Ernstfall schnell und effektiv zu reagieren. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie einen wirksamen DR-Plan erstellen, welche Arten von Plänen es gibt und welche Fallstricke Sie beachten sollten.

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Definition: Was ist ein Disaster-Recovery-Plan?
Ein Disaster-Recovery-Plan (DRP) ist ein strukturierter, dokumentierter Ansatz zur Wiederherstellung kritischer IT-Systeme nach einem unerwarteten Ausfall. Beispiele für solche Ausfälle sind Cyberangriffe, Naturkatastrophen oder menschliches Versagen.

Das Ziel eines DRPs besteht darin, den Geschäftsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufzunehmen und Datenverluste zu vermeiden.
Themen, die in einem DRP geregelt werden:
- Risikoabschätzung
- Verantwortlichkeiten
- Wiederanlaufstrategien
- Prioritäten bei der Wiederherstellung
- Eskalationsketten
- Alternative Kommunikationskanäle
Zwei wichtige Kennzahlen jedes DRPs sind das Recovery Time Objective (RTO) und das Recovery Point Objective (RPO). Das RTO legt fest, wie schnell ein System nach einem Ausfall wieder funktionsfähig sein muss. Das RPO definiert, wie viele Daten im schlimmsten Fall verloren gehen dürfen bzw. wie viel Zeit maximal zwischen zwei Backups vergehen darf.
Ein Disaster-Recovery-Plan ist entscheidend für die Geschäftskontinuität (und die Überlebensfähigkeit) eines Unternehmens: Organisationen mit regelmäßigen Ausfällen haben im Schnitt 16-fach höhere Geschäftskosten. Und 25 Prozent aller Unternehmen, die einen Katastrophenfall erleben, müssen permanent schließen.
DRP vs. BCP vs. IRP
Neben Disaster-Recovery-Plänen (DRPs) verwenden Unternehmen auch Business-Continuity-Pläne (BCPs) und Incident-Response-Pläne (IRPs). So unterscheiden sich die drei Ansätze:
Disaster-Recovery-Plan (DRP)
Der DRP konzentriert sich auf die Wiederherstellung der IT-Infrastruktur nach einem Katastrophenfall. Das umfasst Systeme, Anwendungen und Daten. Der Plan beschreibt Abläufe und technische Maßnahmen, die von den IT-Verantwortlichen durchgeführt werden müssen, um zu einem betriebsfähigen Zustand zurückzukehren.
Business-Continuity-Plan (BCP)
Der BCP geht über den DRP hinaus. Er hat eine umfassendere Perspektive und bezieht neben der IT auch andere Geschäftsbereiche ein. Dazu zählen unter anderem Lieferketten-Probleme, Standort-Besonderheiten oder globale Wirtschaftskrisen. Ein DRP ist häufig Bestandteil eines übergeordneten BCPs, insbesondere in großen, multinationalen Konzernen.
Incident-Response-Plan (IRP)
Der IRP regelt das unmittelbare Vorgehen bei Sicherheitsvorfällen, etwa bei einem Malware-Befall. Im Vergleich zum DRP beschreibt er noch „kleinteiliger“, was bei einem bestimmten Szenario getan werden muss. Der Fokus eines IRPs liegt auf der schnellen Erkennung und Eindämmung. Er bildet quasi die Erste-Hilfe-Maßnahme im Krankenwagen, während der DRP dem behandelnden Arzt im Krankenhaus gleicht. IRPs sind häufig Bestandteil des übergeordneten DRPs.
Diese 4 Typen von DR-Plänen gibt es
Disaster-Recovery-Pläne fallen typischerweise in eine von vier Kategorien:
1. On-Prem-DR
Hier wird die komplette Disaster Recovery lokal durchgeführt, also am Unternehmensstandort oder einem redundanten Zweitstandort. Der Vorteil: Das Unternehmen hat maximale Kontrolle über den Disaster-Recovery-Prozess. Es bestehen keinerlei Abhängigkeiten von externen Providern. Außerdem bleibt die Datenhoheit gewahrt, was für KMU in stark regulierten Branchen entscheidend sein kann. Die Nachteile: Es sind hohe Anfangsinvestitionen nötig, insbesondere was Hardware und Personal angeht. Zudem fehlt in vielen Unternehmen das entsprechende Sicherheits-Know-how. Die On-Prem-Abwicklung lenkt unter Umständen vom Kerngeschäft ab.
2. Cloud-basiertes DR
Hier werden die Systeme und Daten in einer Cloud-Umgebung repliziert. Im Ernstfall kann einfach auf diese Failover-Umgebung gewechselt werden. Der Betrieb geht weiter. Die Vorteile dieses Modells: Die Einstiegskosten sind vergleichsweise gering, weil keine lokale Hardware angeschafft werden muss. Außerdem skaliert die Lösung sehr gut. Die Nachteile: Das Unternehmen macht sich ein Stück weit vom Cloud-Provider abhängig. Zudem kann sich die Speicherung von Daten in der Public Cloud verbieten, wenn strikte Compliance-Anforderungen bestehen. Es gibt jedoch Private-Cloud-Alternativen.
3. Hybrides DR
Dieses Modell kombiniert lokale Backups mit Cloud-Failover-Umgebungen (siehe Blogartikel „Hybrid-Cloud-Beispiele: Wann macht eine hybride Cloud Sinn„. Zum Beispiel könnten Systeme, die im Ernstfall besonders schnell wieder einsatzfähig sein müssen, lokal gesichert werden. Besonders kritische Systeme könnten zusätzlich in die Cloud repliziert werden, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen.
4. DRaaS
Bei Disaster-Recovery-as-a-Service übernimmt ein externer Provider die Wiederherstellung. Das umfasst die Entwicklung eines DR-Plans (lokal, cloud-basiert oder hybrid), die Bereitstellung der Infrastruktur und die Reaktion auf Vorfälle. Dieses Modell eignet sich insbesondere für Unternehmen mit begrenzten internen IT-Ressourcen.

DRaaS ist aber auch sehr gut dazu geeignet, die Qualität des DR-Prozesses zu verbessern. Ein spezialisierter Provider verwendet normalerweise die neuesten Tools und verfügt außerdem über viel Routine, weil er entsprechende Prozesse bereits für mehrere Unternehmen aufgesetzt hat. Allerdings müssen sich Unternehmen darauf verlassen können, dass der Provider im Ernstfall auch tatsächlich zur Stelle ist. Zudem muss geklärt werden, wie viel Einsicht der Provider in Unternehmensdaten erhält und ob dem eventuell Compliance-Auflagen im Wege stehen.
Disaster-Recovery-Pläne im Laufe der Zeit
Die Ursprünge von Disaster Recovery reichen in die 1970er-Jahre zurück, als Unternehmen begannen, Backup-Rechenzentren für Mainframes einzurichten. In den 1980er-Jahren etablierten Banken und Versicherungen erste formalisierte DR-Pläne. Der Fokus lag auf Naturkatastrophen, und die Pläne wurden in Papierform erstellt. Durch die Client-Server-Architekturen der 1990er-Jahre wurden auch die Disaster-Recovery-Pläne komplexer. Es kamen erste DR-Softwarelösungen auf, zum Beispiel ADSM von IBM. Ab den 2000er-Jahren nahm die Gefahr durch Cyberangriffe rapide zu, weshalb sich DR-Pläne zunehmend mit Incident Response befassten. Mit der Etablierung der Cloud (ab etwa 2010) wurde es möglich, Disaster Recovery als Service zu beziehen (Disaster-Recovery-as-a-Service, DRaaS).
| Heute beschäftigen sich DRPs oft mit Automatisierungen über verschiedene Cloud-Umgebungen hinweg, unter Verwendung von KI-Tools. Ein weiteres wichtiges Thema sind Immutable Backups, um den allgegenwärtigen Ransomware-Angriffen zu begegnen. Strategisch spielen Fragen der Business Continuity eine große Rolle, getrieben durch regulatorische Anforderungen wie NIS-2 und DORA. |
15 Best Practices
Damit Ihr Disaster-Recovery-Plan im Ernstfall greift, sollten Sie die folgenden Best Practices beachten.
1. Definieren Sie realistische RTOs
Viele Disaster-Recovery-Pläne nennen RTOs (Recovery Time Objectives), die intern nie erreichbar wären. Zum Beispiel wird für ein ERP-System ein RTO von 30 Minuten definiert, wenn die Wiederherstellung tatsächlich 3 Stunden dauern würde.
Man darf hier nicht in ein Wunschdenken verfallen, das sich später im Ernstfall rächt. Gehen Sie lieber von den tatsächlichen Wiederherstellungszeiten bei Tests aus und legen Sie diese als erste Baseline fest. Schauen Sie dann im zweiten Schritt, wo Optimierungen möglich sind. Beweisen sich diese Optimierungen beim nächsten Praxistest, passen Sie den RTO bzw. den RPO im Plan entsprechend an.
So arbeiten Sie sich langsam aber sicher an Werte heran, die nicht nur auf dem Papier beeindrucken.
2. Priorisieren Sie kritische Systeme
Alle Systeme auf einmal wieder online zu bringen, ist in vielen Fällen nicht möglich, insbesondere wenn der Disaster Recovery vollständig intern geleistet wird. Legen Sie deshalb Minimalanforderungen fest, am besten gestaffelt nach Tagen. Das könnte so aussehen:
Tag 1 – Überlebensmodus
Wiederherstellungsziele:
- Zugänge und Authentifizierung (Entra ID, MFA, VPN)
- Kommunikationskanäle (E-Mail, Microsoft Teams, Slack)
- Netzwerk-Basics (DNS, DHCP, Routing)
- Zugriff auf zentrale Geschäftsdokumente (zum Beispiel Angebote und Verträge)
Tag 2 – Betriebsfähigkeit
Wiederherstellungsziele:
- ERP-System / Warenwirtschaft
- Buchhaltungssysteme
- Cloud-Dienste (Microsoft 365, CRM, Projekt-Tools)
- Support-Systeme
Tag 3 – Normalisierung
Wiederherstellungsziele:
- Abteilungsspezifische Datenbanken und File-Server
- Intranet und Wiki
- Telefonie
- Produktionssysteme (in der Industrie)
Testen Sie diesen „Minimum Viable Stack“ gezielt, um besser zu verstehen, mit „wie wenig“ Sie tatsächlich auskommen können, falls es zum Ernstfall kommt.
3. Beschreiben Sie Prozesse im Detail
Viele DR-Pläne enthalten allgemeine Anweisungen wie „Melden Sie sich auf Server X an.“ In der Praxis sind aber häufig weitere Zwischenschritte nötig, die dann den Wiederherstellungsprozess verzögern.
Seien Sie deshalb übergenau. Beschreiben Sie Prozesse im Detail. Spezifizieren Sie zum Beispiel IP-Adressräume, Service Accounts oder benötigte Lizenz-Keys. Dieser Extraaufwand wird sich im Ernstfall bezahlt machen.
4. Führen Sie anlassbezogene Reviews durch
Typischerweise werden DR-Pläne in festen zeitlichen Abständen überprüft, zum Beispiel alle 6 oder 12 Monate. Es ist jedoch sinnvoller, die Reviews an bestimmte System-Anpassungen zu koppeln, zum Beispiel:
- nach größeren Netzwerk-Änderungen
- nach Migrationen, beispielsweise zur neuen Cloud-Infrastruktur
- nach Incidents
- nach Security-Audits
So stellen Sie sicher, dass der DR-Prozess die tatsächliche Situation im Unternehmen widerspiegelt.
Allerdings erfordern solche anlassbezogenen Reviews mehr Ressourcen, insbesondere personelle. Hier kann sich die Zusammenarbeit mit einem DRaaS-Provider wie Proact anbieten, der Systemänderungen im Auge behält (oder gegebenenfalls sogar selbst durchführt) und dann direkt im Anschluss den Disaster-Recovery-Plan anpasst.
5. Beziehen Sie andere Abteilungen ein
DR-Tests werden meist rein technisch durchgeführt, aus Sicht der IT-Verantwortlichen. Doch es sind letztlich die Fachbereiche, die beurteilen müssen, ob ein System tatsächlich wieder betriebsbereit ist.
Beziehen Sie deshalb verschiedene Nutzergruppen, zum Beispiel die HR-Abteilung oder den Einkauf, in Ihre DR-Simulationen ein:
- Können die Benutzer mit den wiederhergestellten Systemen arbeiten?
- Sind alle Daten verfügbar und korrekt?
- Greifen die gewohnten Workflows?
In letzter Konsequenz geht es um Geschäftsfunktionen, nicht um IT-Systeme.
6. Dokumentieren Sie live
Halten Sie Ihr Team dazu an, während DR-Simulationen wichtige Beobachtungen und Einsichten per Stimme aufzunehmen. Das geht schnell und lenkt kaum ab. Diese Audio-Notizen können Sie via KI automatisch transkribieren und in einem Teams-Channel teilen. Das Ergebnis: Alles wird live dokumentiert und kann später für Nachbesprechungen verwendet werden.
7. Planen Sie für Recovery-Fehlschläge
Viele Disaster-Recovery-Pläne setzen voraus, dass die erste Recovery reibungsfrei funktioniert. In der Praxis treten aber oft unerwartete Schwierigkeiten auf, zum Beispiel, weil eine replizierte Datenbank beschädigt ist.
Planen Sie deshalb Wiederherstellungsfehlschläge ein:
- Erstellen Sie Fallbacks für beschädigte Backups
- Prüfen Sie Möglichkeiten zur Datenrekonstruktion, zum Beispiel auf der Basis von Schattenkopien oder Log-Dateien
- Benennen Sie externe Helfer, die zur Not hinzugezogen werden können (Cloud-Support, spezialisierte Datenretter)
8. Trainieren Sie psychologische Resilienz
Im Disaster Recovery Fall stehen fast immer technische Fragen im Vordergrund. Dabei wird übersehen, dass ein Disaster-Recovery-Plan wesentlich von den Personen abhängt, die ihn ausführen. Wenn diese panisch reagieren (Headless Chicken Mode), nützen die besten technischen Maßnahmen nichts.
Schulen Sie Ihr Team deshalb auch psychologisch. Einige der besten Frameworks hierfür stammen aus der Luftfahrt (Crew Resource Management):
| CRM-Prinzipien: | DR-Umsetzung |
| „Pilot Flying vs. Pilot Monitoring“ | Trennen Sie Rollen strikt in Ausführende und Überwachende, zum Beispiel Technikleiter und Logger |
| Checklisten (für Start/Landung) statt Gedächtnisarbeit | Erstellen Sie Standard Operating Procedures und Recovery-Checklisten, die verpflichtend im Ernstfall durchgegangen werden müssen |
| „Sterile Cockpit“-Regelung beim Anflug | Vor kritischen Restore-Schritten werden ablenkende Monitore ausgeschaltet und beteiligte Personen verlassen nicht den Raum |
| Cross-Check vor Eingaben | Vor Restore-Operationen gilt das 4-Augen-Prinzip |
| Der Pilot muss hinterfragt werden | Fachkräfte müssen dazu ermutigt werden, Führungskräfte bei Fehlentscheidungen zu kritisieren |
Der Crew Resource Management-Ansatz festigt Prozesse und Kommunikation. Genau das, was IT-Teams im Ernstfall brauchen. So werden Panikreaktionen vermieden.
9. Integrieren Sie DR ins Onboarding
Gerade in mittleren und großen Unternehmen herrscht eine relativ große Fluktuation – Mitarbeiter kommen und gehen. Das Problem: Neue Mitarbeiter wurden noch nicht mit dem Disaster-Recovery-Plan vertraut gemacht. Kommt es vor der nächsten geplanten Simulation zu einem Ernstfall, kann dies zu Fehlentscheidungen führen.
Integrieren Sie DR-Szenarien deshalb fest ins Onboarding von neuen Mitarbeitern:
- Führen Sie ein kurzes DR-Briefing durch
- Zeigen Sie, wo die aktuellen DR-Pläne lagern, auch offline
- Weisen Sie auf Ansprechpartner im Ernstfall hin
- Klären Sie Aufgaben ab, die der neue Mitarbeiter bei einem Vorfall übernimmt
Extratipp: Verankern Sie DR-Inhalte in der Probezeit-Retrospektive. Fragen Sie zum Beispiel „Wenn heute ein Systemausfall eintritt – wüsstest du, was zu tun ist?“ So können Sie einerseits überprüfen, ob das Onboarding greift. Andererseits zeigen Sie dem Team, dass Disaster Recovery kein Randthema ist.
10. Testen Sie bis zur Anwendungsebene
Viele Unternehmen testen ihre Backups nur bis zur Systemebene, also dem erfolgreichen Restore der VM, der Datenbank oder des Dateiservers. Es wird aber nicht überprüft, ob die Anwendungen, die darauf sitzen, funktionieren.
In der Praxis kommt es jedoch leicht zu Konflikten, zum Beispiel durch:
- fehlende Lizenznummern
- defekte API-Endpunkte
- kaputte Datenbanken
- fehlende externe Dienste (zum Beispiel IAM oder Mailserver)
Automatisieren Sie Test-Wiederherstellungen deshalb bis zur Anwendungsebene. Man spricht hier von sogenannten Smoke Tests, also minimalen Funktionstests, die zeigen, ob das Programm nutzbar ist. Für die Automatisierung existieren verschiedene Tools wie Selenium, Postman, PowerShell, curl-Skripte oder kleine Python-Checker.
11. Verwenden Sie Immutable Backups
Ransomware-Angreifer gehen mittlerweile bevorzugt zuerst auf die Backups los. Sie wissen: Wenn die Restore-Kopie verschlüsselt oder gelöscht wurde, steigen die Chancen, dass sich das Unternehmen auf eine Lösegeldzahlung einlässt.
Verwenden Sie deshalb Immutable Backups, also Sicherungskopien, die für einen im Vorfeld festgelegten Zeitraum weder gelöscht noch verändert werden können: Selbst wenn der Angreifer sich Admin-Rechte verschafft, ändert das nichts.

Es gibt zwei hauptsächliche Möglichkeiten für die technische Umsetzung:
Cloud-basiert
Die großen Cloud-Anbieter haben alle Immutable-Backup-Lösungen im Programm. Zum Beispiel bietet AWS den S3 Object Lock, mit dem sich der WORM-Modus (Write Once, Read Many) für einzelne Objekte aktivieren lässt. Azure bietet die Blob-Versionierung mit Lock Policies, die Lösch- und Überschreibzugriffe verhindert. Der Vorteil bei der Cloud-Variante besteht in der Skalierbarkeit und dem Provider-Support. Allerdings machen sich Unternehmen so stärker abhängig von Dritten.
On-Prem
Sie können Ihre Immutable-Backup-Lösung auch lokal aufsetzen, unter Verwendung von NAS und anderen Storage-Systemen. Es gibt hier einige Lösungen, die WORM-Funktionalitäten bieten, zum Beispiel NetApp SnapLock. Daneben existieren softwaregestützte Backup-Systeme, zum Beispiel Dell PowerProtect Data Domain oder Veeam Hardened Linux Repository. Der Vorteil bei der On-Prem-Realisierung: Unternehmen behalten die Datenhoheit und können gegebenenfalls Compliance-Auflagen leichter erfüllen. Allerdings sind die Anschaffungskosten höher und die Skalierung und der Betrieb gestalten sich aufwendiger.
12. Nutzen Sie KI-basierte Anomalieerkennung
Klassische Disaster-Recovery-Pläne sehen vor, dass Incidents manuell erkannt werden. Das wird aber kaum den aktuellen Anforderungen gerecht (komplexe Infrastrukturen, raffinierte Angriffsvektoren). Moderne DR-Strategien setzen daher auf KI-gestützte Anomalieerkennung. Dafür werden fortlaufend IO-Muster, Benutzerverhalten und Backup-Laufwerke analysiert. Bei Abweichungen leitet die KI automatisch Gegenmaßnahmen ein.
Einige Beispiele für solche Automatismen:
- Snapshot-Erstellung bei stark verändertem Datenwachstum
- Replikation des letzten gültigen Backups in eine isolierte Umgebung
- Sperrung kompromittierter Benutzerkonten
- Versand von Tickets an IT-Verantwortliche
Viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeiten bisher nicht, weil KI-Monitoring eine vergleichsweise neue Technologie ist. Dabei sind die Sicherheits- und Effizienz-Zugewinne enorm.
13. Integrieren Sie DR-Checks in Ihre CI/CD-Pipelines
In DevOps-Umgebungen vollziehen sich Änderungen oft unbemerkt: Es kommt zu neuen Abhängigkeiten, neue Umgebungen werden erstellt oder Ports geändert. Diese Änderungen können im Ernstfall DR-Abläufe stören oder komplett aushebeln.
Integrieren Sie deshalb automatisierte DR-Checks, die bei jedem Deployment erfolgen:
- Wurden Backup-Aufträge für neue Volumes eingerichtet?
- Wurden neue Systeme in der Recovery-Dokumentation vermerkt?
- Werden neue Services auf Anomalien überwacht?
14. Trennen Sie operative und Wiederherstellungsrechte
In vielen IT-Umgebungen haben die Admins weitreichende Zugriffsrechte – auch auf Wiederherstellungsprozesse. Das mag im Alltag praktisch sein, stellt aber ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wenn sich Hacker Zugriff auf ein solches Konto verschaffen, können sie nicht nur Daten verschlüsseln, sondern auch gezielt Backups löschen. Ähnliches gilt für Insider Threats.
Sie sollten deshalb gesonderte Recovery-Konten anlegen. Halten Sie deren Zugang (Passwort, 2FA, Smartcard) physisch oder logisch getrennt vom regulären System. Sie können außerdem erwägen, eine Aktivierung nur bei Bedarf durchzuführen. Solche „Just in Time“-Berechtigungen lassen sich über Privileged Access Management (PAM)-Systeme realisieren. Durch die Rollentrennung können Sie zudem untypische Zugriffsmuster leicht aufdecken. Dafür binden Sie die Recovery-Konten am besten in Ihr SIEM ein.
15. Planen Sie ein DNS-Failover ein
Viele Systeme im Unternehmen (Web, Mail, APIs etc.) sind vom DNS-Namen abhängig. Kommt es hier zu Problemen, sind selbst funktionierende Systeme faktisch offline. Ein Disaster-Recovery-Plan muss also auch die Erreichbarkeit sicherstellen.
Best Practices:
- Verwenden Sie mehr als einen DNS-Provider.
- Achten Sie auf unabhängige Nameserver-Infrastruktur (getrennt vom Primärsystem).
- Speichern Sie QR-Codes für kritische Systeme mit direkter IP.
- Machen Sie DNS-Ausfälle zum Bestandteil Ihrer Simulationen.
- Informieren Sie sich über DNS-Failover-Mechanismen von SaaS-Anbietern, mit denen Sie zusammenarbeiten.
Implementieren Sie Ihren Disaster-Recovery-Plan – mit Proact!
Sie möchten einen Disaster-Recovery-Plan für Ihr Unternehmen erstellen und wünschen sich dafür einen verlässlichen Partner? Dann sollten Sie sich mit unseren Proact-Experten unterhalten. Wir haben entsprechende Pläne bereits für eine Vielzahl von KMU aus unterschiedlichen Branchen umgesetzt. Damit auch Ihr Disaster-Recovery-Plan zum Erfolg wird, verwenden wir den folgenden, vierstufigen Einführungsprozess.
1. Analyse
In einem ersten Workshop analysieren wir gemeinsam Ihre bestehende Infrastruktur. Wir identifizieren geschäftskritische Anwendungen, Recovery-Ziele (RTO/RPO) und regulatorische Anforderungen. Auch über mögliche Schwachstellen sprechen wir. So schaffen wir die Basis für Ihren maßgeschneiderten Disaster-Recovery-Plan.
2. Architektur
Darauf aufbauend entwickeln wir nun Ihre DR-Architektur. Das kann On-Prem, in der Cloud oder hybrid geschehen. Auch beim Service-Modell sind wir flexibel: Wir können Ihre DR-Lösung für den Inhouse-Betrieb konzipieren oder die vollständige Durchführung übernehmen (Disaster-Recovery-as-a-Service, DRaaS).
In jedem Fall integrieren wir Monitoring-Systeme, testen Failover-Szenarien und dokumentieren sämtliche Abläufe revisionssicher.
3. Tests
Damit Ihr DR-Plan in der Praxis funktioniert, führen wir regelmäßig Tests durch. Das reicht vom simulierten Ausfall eines Einzelsystems bis zur vollständigen Notfallübung. Zudem schulen wir Ihre Mitarbeiter im Umgang mit der Lösung.
4. Optimierung
Auch nach der erfolgreichen Einführung lassen wir Sie nicht alleine. Wir überwachen Ihre DR-Lösung im laufenden Betrieb und passen sie an geänderte Systemlandschaften an. Ebenso integrieren wir neue Compliance-Vorgaben. Und natürlich stehen wir Ihnen jederzeit bei Support-Anfragen zur Verfügung.
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